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Ausbreitung der Netze Nokia setzt auf Diversifizierung

Nokia, Motorola und Ericsson sollten sich nur wenige Jahre nach der weltweiten Etablierung des Mobilfunks am erfolgreichsten positionieren. Bis zu dem Punkt, als die Nachfrage zu stocken begann. Dann musste auch Ericsson die Segel streichen. Die Mobilfunkhersteller sollten nun die größten Korrekturen des Marktes im Rahmen der konjunkturellen Abschwächung hinter sich haben. Wer übrig bleibt, profitiert zusätzlich vom Abgang der anderen.

Nokia und Motorola beanspruchen je rund 30 Prozent am Weltmarkt für Mobiltelefone. Das sollte beiden Unternehmen genug Raum für weitere Aktivitäten lassen, sei es bei der Festigung ihrer Anteile, für Abwehrmaßnahmen oder etwa bei der Akquistion von Konkurrenzgeschäften. Ericsson lässt die Mobiltelefone fremdfertigen. Konkurrent Philips übergab seine Handyproduktion an einen chinesischen Hersteller. Der deutsche Mitbewerber Siemens kommt mit zwölf Prozent Anteil am Weltmarkt den Finnen nicht zunahe.

Nach dem Boomjahr 2000 konsolidiert sich die Handy-Industrie in diesem Jahr. Auf eine Serie von Gewinnwarnungen und reduzierten Umsatz- und Absatzprognosen folgten Nachrichten von Werksschließungen und Produktionsverlagerungen.

Im vergangenen Jahr ist der Weltmarkt noch um 50 Prozent gewachsen. In Deutschland hat sich der Absatz von Mobiltelefonen sogar verdoppelt. Heutzutage lassen sich die Handynutzer allerdings nicht so schnell von neuer und komplizierterer Technik überzeugen. Der Ersatzbedarf steigt auch nicht so rasant wie bisher geschätzt.

Zudem haben die meisten Telefongesellschaften die bisher üppigen Subventionen für Handys gekürzt. So werden in diesem Jahr im besten Fall 20 Prozent Zuwachs erwartet. Marktführer Nokia hat jedoch seine Absatzprognose bereits auf zehn Prozent Plus reduziert. Statt wie bisher rund 450 Mio. Einheiten glauben die Finnen nunmehr nur noch an ein Marktvolumen von 405 Mio. Einheiten.

Für den schrumpfenden Markt sind aber die Kapazitäten zu groß. Die Folge: Fast alle Hersteller setzen in der Produktion den Rotstift an. Besonders radikal gehen diejenigen Unternehmen vor, deren Handysparte schon in Boomzeiten keine Gewinne abgeworfen hat.

Ericsson fährt seit Jahren Verluste in der Handyproduktion ein und hat die Herstellung konsequenterweise im Frühjahr an die in Singapur ansässige Flextronics International verkauft. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Ericsson einen Verlust von 2,7 Mrd. Euro bei Mobiltelefonen. Auch Alcatel hat bisher seine Handys bei Flextronics fertigen lassen.

Konkurrent Philips gibt die Produktion ganz auf und hat sich dafür einen Partner in China gesucht. Mit einem Marktanteil von zuletzt unter fünf Prozent hat der niederländische Konzern auf dem Handy-Markt nie recht Fuß fassen können. Mit dem geringen Marktanteil ließ sich eine rentable Produktion nicht unterhalten.

Das jetzt abgeschlossene Joint Venture mit den Chinesen wird vom Markt allerdings als nicht konsequent genug gewertet. Analysten hätten gern gesehen, wenn Philips sich komplett von der Sparte getrennt hätte. Für Nokia und Motorola sind das gute Neuigkeiten, können sie doch von den Überläufern profitieren.

Nachdem in Europa und in den USA die Verkaufszahlen zurückgehen, gilt der asiatische Markt und dort vor allem China bei den Handyfirmen als künftige Wachstumsregion. So will sich der deutsche Siemens-Konzern auf die Expansion in China konzentrieren. Siemens ist zuversichtlich, dass die Wachstumsraten in Asien weiterhin 30 Prozent betragen werden. Und anders als in Europa stimmen hier die Margen. Asien-Pazifik macht bereits ein Drittel des weltweiten Handyabsatzes bei Siemens aus.

Von den Marktführern Motorola und Nokia trennt Siemens allerdings noch Welten. Siemens kommt bei Neuverkäufen auf einen Marktanteil von zwölf Prozent - Motorola und Nokia decken jeweils ein Drittel des Marktes ab.

Gemeinsam erkunden die Mobilfunkhersteller mittlerweile auch Domänen, die bisher Anbietern wie Sony und Sega vorbehalten schienen. Ericsson, Motorola, Nokia und die Siemens Information and Communication Mobile Group (IC Mobile) gründeten das Mobile Games Interoperability-Forum (MGI-Forum). Ziel dieses Forums ist die Entwicklung einer Spezifikation für die Interoperabilität mobiler Spiele auf netzwerkbasierenden Servern. Diese Spezifikation wird es Entwicklern ermöglichen, mobile Spiele zu programmieren und zu implementieren, die über mehrere Spieleserver und drahtlose Netzwerke verteilt und mit verschiedenen mobilen Endgeräten gespielt werden können.

Quelle: n-tv.de

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