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RAF-Ausstellung Opfer-Angehörige schweigen weiter

Der künstlerische Leiter der geplanten Ausstellung über die "Rote Armee Fraktion" (RAF), Klaus Biesenbach, hat den Angehörigen von RAF-Opfern erneut ein Treffen angeboten. "Ich hoffe immer noch, dass ich Gesprächstermine bei den Angehörigen erhalte", sagte Biesenbach der dpa.

Er hatte am 24. Juli im Namen des Berliner Ausstellungshauses "Kunst-Werke" Familienmitglieder von Terror-Opfern angeschrieben. Zuvor hatte er eingeräumt, dass die Angehörigen zu spät einbezogen wurden. Die umstrittene Ausstellung war kürzlich um ein Jahr auf November 2004 verschoben worden. "Bisher habe ich weder von Frau Herrhausen noch von Frau Rohwedder oder Herrn Schleyer eine persönliche Antwort bekommen", sagte Biesenbach. Von seiner Seite sei der Brief der "Versuch einer Kontaktaufnahme" gewesen.

Von der Absage Hergard Rohwedders - der Witwe des 1991 von der RAF ermordeten Treuhand-Chefs Detlev Karsten Rohwedder - habe er nur aus den Medien erfahren. Die Stellungnahme von Hanns Eberhard Schleyer verstehe er so, dass dieser sich nach seiner Rückkehr von einer Reise differenziert äußern wolle. Der Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer hatte kürzlich in einem Interview erklärt, er befürchte angesichts der ihm bekannten Konzeption eine Mythologisierung der Terrororganisation la "Bonnie und Clyde", des von Hollywood filmisch verklärten Gangsterpärchens.

Die Angehörigen - darunter auch die Frau des 1989 ermordeten Deutsche-Bank-Chefs Alfred Herrhausen - hatten in einem Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) dagegen protestiert, dass die Ausstellung mit 100.000 Euro aus dem mit Bundesmitteln gespeisten Hauptstadt-Kulturfonds gefördert wird. Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) überprüft jetzt auf Weisung Schröders Konzept und Finanzzusage. Die Berliner CDU-Fraktion warf dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) derweil vor, mit seiner Verteidigung der Ausstellung "die RAF-Opfer und ihre Angehörigen zu demütigen". Wowereit hatte gesagt, er habe keinen Zweifel, dass Biesenbach bei einer solchen Ausstellung größte Sorgfalt walten lasse.

Quelle: ntv.de