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"Germany zero points" Oscar und Dita fallen durch

Verletzte die Peitsche schwingende Dita von Teese das Schamgefühl der Europäer? Oder mögen unsere direkten und entfernten Nachbarländer schlicht keine Musik aus Deutschland? "Germany zero points" - frustrierende 30 von 41 Ländern urteilten so vernichtend über "Alex Swings Oscar Sings". Doch auch das enttäuschte deutsche Duo schwärmte vor allem vom Sieger: Mit dem Charme eines Lausbubs, dem Schwung eines Teufelsgeigers und einem schlicht wunderschönen Lied holte Alexander Rybak einen Rekordsieg in der Geschichte des Eurovision Song Contest.

Russen kleckern nicht

"Fairytale" heißt das Lied, mit dem der in Weißrussland geborene und am Stadtrand von Oslo aufgewachsene 23-Jährige einer spektakulären Show die Krone aufsetzte. Während die russische Polizei nur Stunden zuvor mit gewaltsamem Vorgehen gegen eine Schwulen-Demonstration Moskau eine hässliche Fratze gab, begeisterte der Song Contest von der ersten Minute. Tolle Showacts unter anderem mit dem Cirque du Soleil, der Startschuss zur Abstimmung direkt von den Astronauten der Raumstation ISS und eine Bühne voller Feuerwerk – der mit 42 Millionen Euro Produktionskosten teuerste Contest der 54-jährigen Geschichte bot vor weltweit mehr als 100 Millionen Fernsehzuschauern ein Highlight nach dem anderen.

Der Strip zieht nicht recht

In diesen spektakulären Rahmen ordnete sich eigentlich auch das deutsche Duo passend ein. Komponist Alex Christensen und Sänger Oscar Loya zeigten einen schwungvollen Auftritt. Anders als die letztplatzierten No Angels im vergangenen Jahr traf Loya alle Töne. Und die als leibhaftige "Miss Kiss Kiss Bang" aus den USA eingeflogene Dita von Teese zeigte einen so kunstvollen wie züchtigen Strip, wie es ihn in der Geschichte des Wettbewerbs noch nicht gegeben hat.

Doch nur England, das Land der barbusigen Nummer-1-Girls, und Dänemark goutierten diesen Auftritt und vergaben immerhin jeweils sieben Punkte an Deutschland - ansonsten fielen die Ergebnisse allesamt "ungeil" aus, wie Christensen sagte. "Wir haben noch immer nicht das Rätsel gelöst, wie man zwölf Punkte bekommt." Auf schlappe 35 Punkte kam Deutschland insgesamt.

Es gab auch Ausnahmen

Den Abstimmungsmodus gab es in diesem Jahr nicht als Ausrede - durch die zur Hälfte am Ergebnis beteiligten Jurys fiel das gegenseitige Punktezuschieben vor allem der Osteuropäer weitgehend aus. Im Gegenteil: Mit dem Rekordergebnis von 387 Punkten für Norwegen, dem zweiten Island, Andrew Lloyd Webbers' Platz fünf für England oder der großartigen Französin Patricia Kaas als Achte feierten die "alten" Grand-Prix-Nationen sogar eine beeindruckende Rückkehr in die Top Ten.

Woran das erneute deutsche Scheitern lag, brachte deshalb wahrscheinlich der einstige Wettbewerbsteilnehmer und diesmal in der deutschen Jury sitzende Guildo Horn am besten auf den Punkt. Von Teese sei vielleicht "ein bisschen sehr viel Plastik" gewesen, der Norweger dagegen vollkommen authentisch.

Norwegen in Feierlaune

Während in den Internet-Foren bereits die Diskussionen heiß liefen, dass es eine Fehlentscheidung des NDR war, den deutschen Beitrag von einer Jury und nicht durchs Publikum zu bestimmen, setzte Norwegen zur großen Feier an. "Ich bin sehr beeindruckt", gab Regierungschef Jens Stoltenberg die Stimmung im Land wieder. Rybak lud seine Landsleute kurzerhand ein, ihn nach seiner Rückkehr am Flughafen in Oslo am norwegischen Nationalfeiertag vor Ort zu feiern.

Märchenhafte Karriere

Rybaks Lied hieß nicht nur "Fairytale" - Märchen - sondern es schrieb auch ein neues Märchen vom eingewanderten Wunderkind. Rybak war als kleines Kind mit seinen Eltern nach Norwegen gezogen. Dort zeigte er schon vor der Einschulung musikalisches Talent, spielte mit fünf Jahren Geige und Klavier und begann zu komponieren. Selbstverständlich schrieb der Nachwuchskünstler sein Lied selbst - und hatte genau das richtige Händchen. Er sei sicher nicht der beste Sänger im Wettbewerb gewesen, sagte Rybak. "Aber ich hatte eine Geschichte zu erzählen und die Leute mochten meine Geschichte." Liegt darin die Antwort auf die Frage, wie es Deutschland mal wieder auf vordere Plätze schaffen kann?

Quelle: n-tv.de, Ralf Isermann, AFP

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