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"Unsere Welt ist unteilbar" Partnerschaften für Wiederaufbau

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat im Zeichen der Jahrhundert-Katastrophe in Südostasien Partnerschaften aller wohlhabenden Nationen für den Wiederaufbau vorgeschlagen. "Im gemeinsamen Leid spüren wir die Unteilbarkeit unserer einen Welt", sagte der Kanzler in seiner Neujahrsansprache. "Diese Welt ist heimgesucht worden von der schlimmsten Naturkatastrophe seit Menschengedenken."

In der traditionellen Ansprache, die in diesem Jahr fast ausschließlich der Flut-Katastrophe gewidmet ist, ruft Schröder alle wohlhabenden Nationen - darunter auch Deutschland - zu Partnerschaften für den Wiederaufbau bestimmter Regionen auf. "Ich stelle mir vor, dass sich die großen Industrieländer für jeweils ein Land verantwortlich fühlen." An dieser Partnerschaft sollten sich auch die Bundesländer, Städte und Gemeinden beteiligen. Deutsche Schulen und ihre Kinder sollten mit Unterstützung der Eltern Patenschaften für Schulen übernehmen. "Wir dürfen die von der Flutwelle am stärksten betroffenen Länder, die Menschen dort, nicht allein lassen. Nicht jetzt, aber auch nicht in Zukunft", sagte der Kanzler.

Der Kanzler sprach von wahrscheinlich "mehreren hundert" deutschen Todesopfern und rief die Menschen zu Solidarität mit den Angehörigen der Opfer sowie den betroffenen Ländern auf. Bundespräsident Horst Köhler und Schröder appellierten erneut an die Spendenbereitschaft der Menschen.

"Angesichts der furchtbaren Zerstörung müssen wir befürchten, dass mehrere hundert Deutsche unter den Toten sein werden", sagte der Kanzler in seiner Fernseh-Ansprache zum Jahreswechsel. Köhler sagte: "Wir bangen mit allen, die in furchtbarer Ungewissheit schweben, weil sie noch nichts von ihren Lieben gehört haben." Köhler forderte ebenso wie der Kanzler Erleichterungen bei der Schuldenrückzahlung für die von der Flut betroffenen Nationen.

An den Hilfsaktionen wird sich nach Schröders Worten auch die Bundeswehr beteiligen: Sie soll Lazarette und Anlagen zur Trinkwasserbehandlung in den betroffenen Ländern errichten und diese "natürlich auch für längere Zeit" betreuen. Verteidigungsminister Peter Struck schickt zusätzlich das Versorgungsschiff "Berlin" in das Katastrophengebiet. Der Einsatzgruppenversorger hat 45 Betten, Kapazität für 100 weitere Bedürftige, die Möglichkeit zur Einrichtung zweier Operationssäle und zwei Transporthubschrauber.

Im Einsatz sind ferner Ambulanz-Flugzeuge der Bundeswehr, die verletzte Bürger zurückbringen. Der Kanzler betonte, dass bei den Transporten keine Unterschiede zwischen Nationalitäten gemacht würden. "Nur die Schwere der Verletzung zählt", sagte er.

Der Krisenstab im Auswärtigen Amt in Berlin ging vier Tage nach dem Seebeben von mehr als 1.000 noch vermissten Deutschen aus. Nach Angaben des stellvertretenden Leiters dieses Gremiums, Staatssekretär Klaus Scharioth, konnten inzwischen 33 getötete Deutsche identifiziert werden - 26 von ihnen kamen in Thailand ums Leben und 7 in Sri Lanka. 260 deutsche Touristen wurden bei der Katastrophe verletzt.

Quelle: n-tv.de

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