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Walter Bau ein zweites Holzmann? Politiker schalten sich ein

In die Gespräche um ein Finanzierungspaket für den angeschlagenen Augsburger Baukonzern Walter Bau schaltet sich zunehmend auch die Politik ein.

Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) sagte dem Berliner "Tagesspiegel" zufolge, in den Verhandlungen habe sich etwas Entscheidendes getan, und dies werde in Kürze verkündet. In Finanzkreisen wird hingegen davon ausgegangen, dass die Verhandlungen mit den Gläubigerbanken und Kreditversicherern, die dem bisherigen Rettungskonzept noch ablehnend gegenüberstehen, noch einige Tage dauern könnten.

Bei der ohnehin unter schwachen Erträgen leidenden Walter Bau hatte sich die Lage nach dem vorläufigen Scheitern der Fusion mit dem Stuttgarter Konkurrenten Züblin im Dezember offenbar verschlechtert. Mehrheitseigner und Aufsichtsratschef Ignaz Walter hatte zuletzt von einem Liquiditätsengpass gesprochen. Mit ihren Banken verhandelt Walter Bau derzeit über ein Spar- und Finanzierungskonzept, das unter anderem Kostensenkungen um jährlich 60 Millionen Euro vorsieht.

Nach Angaben aus Finanzkreisen sind zudem frische Mittel von etwa 150 Millionen Euro als Zwischenfinanzierung geplant, bis erwartete Einnahmen aus geplanten Verkäufen von Unternehmensbereichen kommen. Nach wie vor lehnen aber mehrere Banken und Kreditversicherer das Konzept noch ab, während andere Banken ihre Billigung von einer Zustimmung aller Banken abhängig machen. Poolführer ist die Deutsche Bank. Zu den weiteren Hauptbanken zählen die BayernLB, die HVB (HypoVereinsbank) und die Commerzbank. Eine Schlüsselrolle wird in Finanzkreisen der Bankgesellschaft Berlin zugemessen, die das größte Volumen des Bürgschaftsrahmens der bisher noch ablehnend eingestellten Finanzhäuser vertrete.

Bundesregierung sieht Chancen für eine Lösung

Auch die Bundesregierung schaltet sich nach Angaben aus Regierungskreisen als Vermittler ein. In der Regierung werde die Chance gesehen, in den nächsten Tagen zu einer Einigung mit dem Ziel der Rettung von Walter Bau zu kommen. "Ich glaube, das wird ihnen gelingen", sagte Stolpe. In Berliner Regierungskreisen hieß es, die Bundesregierung bemühe sich um eine Vermittlung bei den Verhandlungen. Geld oder Bürgschaften werde es aber nicht geben. "Es ist sehr schwierig, aber nicht chancenlos", hieß es. Die Bundesregierung stehe auch in engem Kontakt mit der bayerischen Landesregierung.

In Finanzkreisen hieß es, Bayerns Wirtschaftsminister Wiesheu kämpfe mit großem Einsatz um eine Lösung für Walter Bau und treffe sich mit Bankern. Inzwischen vermittle auch der frühere Chef der Dresdner Bank, Bernd Fahrholz, bei den Gesprächen. Fahrholz gehört einer Anwaltskanzlei an, die Walter Bau berät. Durch seine frühere Tätigkeit dürfte Fahrholz noch enge Kontakte zu anderen Bank-Vorständen haben.

Schwere Vorwürfe gegen Walter Bau

Der Geschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg, Burkhard Wenkel, erhebt unterdessen schwere Vorwürfe. Walter Bau sei ein unfairer Wettbewerber, der mittelständischen Firmen massiv geschadet habe. Bei der Sanierung des Berliner Olympia-Stadions habe der Baukonzern Rechnungen von mittelständischen Subunternehmen nicht bezahlt und sie so teilweise in die Pleite getrieben. Ein Walter-Bau-Sprecher bestreitet allerdings den Zusammenhang zwischen den Insolvenzen und dem Bau-Konzern.

Quelle: n-tv.de

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