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Im Schatten Teufels Porträt von Günther Oettinger

CDU-Fraktionschef Günther Oettinger gilt seit Jahren als Kronprinz von Erwin Teufel. Gleichzeitig hat der Jurist immer wieder in seiner Partei unpopuläre Ideen und unkonventionelle Einschätzungen vertreten - und sich damit beim Ministerpräsidenten nicht immer beliebt gemacht.

So forderte er 1988 etwa als Vorsitzender der Jungen Union den Rücktritt von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Mal sinnierte er im Autoland Baden-Württemberg über die Sinnhaftigkeit von Tempolimits auf Autobahnen, mal hielt er schon früh - 1992 - ein schwarz-grünes Bündnis für machbar.

Der 51 Jahre alte Rechtsanwalt gehört seit 1984 dem Landtag an. 1991 wurde er mit großer Mehrheit zum Fraktionschef gewählt. Zuvor hatte sein Vorgänger Teufel das Amt des Ministerpräsidenten vom zurückgetretenen Lothar Späth (CDU) übernommen.

Oettinger, der auch Medienexperte seiner Partei ist, gilt als kühler Analytiker, der aber nicht unbedingt rhetorisch glänzt. Die Fraktion kann er immer sicher hinter sich wissen. Allerdings sorgten die Unions-Parlamentarier 1996 für einen Eklat, als Teufel bei seiner Wiederwahl im Parlament zunächst nicht alle Stimmen der CDU-Fraktion erhielt und die erforderliche Mehrheit verfehlte. Spätestens seit damals gilt das Verhältnis von Oettinger und Teufel als nachhaltig gestört, auch wenn der Fraktionschef bis zuletzt seine Loyalität zu Teufel betont hatte.

Der verheiratete Vater eines Sohnes musste in seiner politischen Karriere in den 90er Jahren eine Affäre überstehen, als ihm Kontakte zu einem Stuttgarter Pizzeria-Inhaber nachgesagt wurden, gegen den unter anderem wegen Kontakten zur Mafia ermittelt wurde. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss bescheinigte Oettinger 1994, er habe sich nicht des Verrats von Dienstgeheimnissen schuldig gemacht.

Quelle: n-tv.de