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"Es läuft gut ..." Positives Echo auf Green-Card

von Peter Dietze

Massenentlassungen und Fachkräftemangel scheinen auf den ersten Blick nicht miteinander vereinbar. Trotz der inzwischen wieder steigenden Arbeitslosigkeit können Unternehmen jedoch häufig freie Stellen nicht besetzen, weil sie keine entsprechend qualifizierten Kandidaten finden. Insbesondere in technologieorientierten Bereichen wie der IT-Branche führt dies schnell in einen Teufelskreis: Fehlt es an hochkarätigen Spezialisten, leidet die Innovationsfähigkeit und damit die Durchsetzungskraft des Unternehmens im Wettbewerb. Das wiederum gefährdet bestehende Arbeitsplätze und verhindert die Schaffung neuer Jobs.

Mit der am 1. August 2000 in Kraft getretenen "Green-Card-Regelung" sollten deutsche Unternehmen die Möglichkeit erhalten, hoch qualifizierter ausländischer Spezialisten einzustellen. Früher war dies meist an bürokratischen Hürden gescheitert - die dringend zu besetzenden Stellen blieben frei.

Weitere 10.000 Green-Cards kommen

Inzwischen sind die ersten 10.000 Green-Cards vergeben. Arbeitsminister Walter Riester kündigte an, die Bundesanstalt für Arbeit mit der Ausstellung weiterer 10.000 Aufenthaltsgenehmigungen im Rahmen des Green-Card-Programms zu beauftragen.

Rund ein Jahr nach Inkrafttreten der Regelung hatte die Zahl der auf diesem Wege gewonnenen Spezialisten mit 8.556 etwas unter den ursprünglichen Erwartungen gelegen, doch die Regierung wertete das Programm als Erfolg. Diese Einschätzung deckt sich mit den Erfahrungen der Unternehmen.

Branchenverband fordert Optimierung

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BITKOM), zu dessen Mitgliedsfirmen zahlreiche Nutzer der Regelung gehören, zog eine positive Zwischenbilanz: Die Greencard habe geholfen, die besondere Schwäche des deutschen Bildungssystems im IT-Bereich abzufedern und den Arbeitsmarkt zu stärken. Sie habe der deutschen Wirtschaft mehr IT-Spezialisten zur Verfügung gestellt, als das gesamte deutsche Hochschulsystem im selben Zeitraum ausgebildet habe.

BITKOM-Vizepräsident Jörg Menno Harms forderte von der Politik, das bisherige Green-Card-Konzept zu optimieren und weiterzuentwickeln. Dauerhaft ergebe die Regelung nur dann einen Sinn, wenn sie möglichst bald in ein Zuwanderungsgesetz eingebettet werde. Nur dieses könne klare und langfristige Regelungen im Bereich der Arbeitsmigration absichern. Als kurzfristig zu behebenden Nachteil nannte er die Begrenzung der Aufenthaltserlaubnis auf fünf Jahre.

Inder stellen nicht die Mehrheit

Entgegen einem weitverbreiteten Klischee stellen Inder unter den bislang 10.054 Green-Card-Inhabern einen bedeutenden Anteil, jedoch nicht die Mehrheit. Nach Angaben von BITKOM kamen aus Indien 2.130 Fachkräfte nach Deutschland, 130 weitere stammen aus Pakistan. Mit einem hohen Anteil sind Kandidaten aus osteuropäischen und Balkanstaaten vertreten. Auf Russland, Weißrussland, die Ukraine und die Baltischen Staaten entfielen 1.395 Bewerber, aus Rumänien kamen 840, aus Tschechien und der Slowakischen Republik kamen 689. In die Länder des früheren Jugoslawien gingen 588 Green-Cards, nach Bulgarien und Ungarn jeweils mehr als dreihundert. Aus nordafrikanischen Ländern wurden 333 Fachleute angeworben, aus Südamerika 251.

Wie differenziert sich das Bild gestaltet, wird auch an dem hohen Anteil von knapp 3.000 Personen aus "sonstigen" Ländern und Regionen deutlich. Staaten wie Papua Neuguinea tauchen ebenso als Herkunftsland auf wie der Senegal - sie sind nur eben mit einer geringeren Kandidatenzahl vertreten.

Gute Erfahrungen bei Siemens

Zu den Unternehmen, die in größerem Umfang von der neuen Regelung profitieren konnten, gehört auch der Münchner Technologiekonzern Siemens. Hier bestätigt sich der positive Gesamttrend. Mit bislang über 480 Einstellungen nach der Green-Card-Regelung liege man bereits über der anfangs anvisierten Zahl, erklärte Siemens-Pressesprecherin Sabine Metzner gegenüber n-tv.de. Das Programm laufe gut und sei für den Konzern auch weiterhin eine wichtige Möglichkeit, um Lücken im Personalbereich zu schließen. Fast die Hälfte der neu ins Land geholten Siemens-Mitarbeiter stammen aus Osteuropa. Rund 30 Prozent kommen aus dem asiatisch-pazifischen Raum, davon etwa 40 aus China und mehr als 50 aus Indien. Siemens unterstützt die neuen Mitarbeiter durch Sprachkurs-Angebote, gibt aber im Bedarfsfall auch Hilfestellung bei Behördengängen und Ähnlichem.

Quelle: ntv.de