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11.000 Selbstmorde pro Jahr Präventionsprogramm gegründet

30 Institutionen, Organisationen und Verbände haben sich zusammengeschlossen, um die Selbstmordrate in Deutschland weiter zu senken. In Berlin gründeten sie ein "Nationales Suizidpräventionsprogramm". Auf der Basis vorhandener europäischer Erfahrungen sollten Aufklärungskampagnen und Gegenmaßnahmen in die Wege geleitet werden, sagte der Vorsitzende des Programms, Armin Schmidtke von der Würzburger Universität.

In Deutschland nehmen sich durchschnittlich 11.000 Menschen pro Jahr selbst das Leben. Die Freitodrate in Europa ist dabei je nach Land sehr unterschiedlich. Stets gerechnet auf jeweils 100.000 Einwohner liege sie zwischen 2,9 Toten in Griechenland und 28,1 Opfern in der Ukraine, hieß es bei der Vorstellung des Präventionsplans.

Deutschland nehme mit 14,9 Selbstmordtoten pro 100.000 Einwohnern einen mittleren Platz in der europäischen Statistik ein, hieß es. Dabei gebe es hierzulande wiederum regionale Unterschiede. So war die Suizidrate 1999 etwa in Sachsen mit 18,0 Toten doppelt so hoch wie im Saarland mit 9,2 Opfern.

Hinter der Statistik verbirgt sich nach Ansicht der Wissenschaftler zudem eine hohe Dunkelziffer. Die Anzahl der Versuche von Menschen, sich das Leben zu nehmen, liegt ihren Schätzungen zufolge etwa zehn Mal höher als die tatsächliche Suizidrate. Zudem stehe hinter einer unbekannten Zahl von Verkehrs- und Drogentoten ein verkappter Suizid, erklärte Schmidtke, so dass die Zahl der Selbstmorde in Deutschland tatsächlich noch einmal gut 25 Prozent höher liegen dürfte.

Hauptursache seien depressive und psychotische Erkrankungen, sagte Schmidtke. "Die Arbeitslosenrate steht in keinem Zusammenhang mit der Selbstmordrate", betonte er. Man könne viel tun, um die Zahl der Suizid-Fälle zu senken. "Zäune an Bahnstrecken, kleinere Schmerzmittelpackungen mit nur wenigen Tabletten und beleuchtete Brücken", seien bereits wirksame Mittel, erklärte Schmidtke. Auch Schilder an hohen Brücken mit der Aufschrift "Wenn sie sich umbringen wollen, rufen Sie vorher folgende Nummer an ..." hätten sich als geeignete Maßnahme erwiesen.

Quelle: ntv.de