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Von Portugal bis Frankreich "Prestige"-Öl weiter bedrohlich

Die Ölpest weitet sich entlang der spanischen Atlantikküste immer weiter nach Osten aus und hat den Golf von Biskaya und das Baskenland erreicht.

Mit schwimmenden Barrieren soll nun eine Verschmutzung der Südwestküste Frankreichs durch das Schweröl verhindert werden, das aus dem vor Spanien gesunkenen Tanker "Prestige" ausgelaufen ist. Wie die zuständigen Behörden am Samstag beschlossen, sollen die Ölsperren in der Nähe von Buchten und den Häfen in Hendaye, Saint-Jean-de-Luz, Biarritz und Anglet errichtet werden.

Ein Beobachtungsflugzeug entdeckte am Samstag fünf Ölteppiche, die etwa 20 Kilometer vor der französischen Küste treiben. Jeder von ihnen hatte etwa eine Länge von 100 Metern und eine Breite von fünf Metern, wie die Schifffahrtsbehörde mitteilte.

Unterdessen hat vor der galicischen Küste ein norwegisches Spezialschiff damit begonnen, Öl abzusaugen, dass noch immer aus der "Prestige" austritt. Wie der stellvertretende spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy mitteilte, war das Schiff rund 200 Kilometer vor Spanien im Einsatz, wo der Tanler auseinander gebrochen und gesunken war.

Inzwischen hat Spaniens Ministerpräsident Jos Aznar die Fäden im Kampf gegen die Ölpest in die Hand genommen. Der konservative Regierungschef leitete am Samstag in seinem Madrider Amtssitz einen Krisenstab von vier Ministern. Das Gremium beschloss, zusätzliche Mittel zur Bekämpfung der Ölflut aufzubieten.

Aznar werde bald das von der Ölflut betroffene Gebiet besuchen, kündigte der Ministerpräsident der autonomen Region Galicien, Manuel Fraga, an. Verkehrsminister Francisco lvarez Cascos bezeichnete die vom Untergang der "Prestige" ausgelöste Katastrophe als "das spanische Tschernobyl". Damit stellte er die Ölpest auf eine Stufe mit der Nuklearkatastrophe 1986 in der heutigen Ukraine. Zugleich rückte die Regierung weiter von der Strategie ab, das Ausmaß der Katastrophe herunterzuspielen.

Aus dem Wrack des Unglückstankers ist nach Ansicht von Experten das meiste Öl möglicherweise bereits ausgelaufen. Meereswissenschaftler der Universitäten in Vigo und La Corua vertraten die Ansicht, dass von der Gesamtladung von 77 000 Tonnen Öl bereits 40 000 bis 55 000 Tonnen ins Meer gelangt seien. Die Regierung war bislang nur von einer Menge von gut 20 000 Tonnen ausgegangen.

Tausende von Freiwilligen aus allen Teilen Spaniens strömten nach Galicien, um Strände und Felsküsten vom Ölschlamm zu säubern. Die Welle der Hilfsbereitschaft übertraf nach Angaben der Behörden alle Erwartungen. Umweltschützern zufolge fuhren mehr als 10 000 Freiwillige mit Bussen, Privatwagen oder per Anhalter an die Atlantikküste. Die Streitkräfte und das Rote Kreuz sorgten dafür, dass sie verpflegt und in Schulen oder Sporthallen untergebracht wurden.

Quelle: ntv.de