Archiv

"Nicht direkt betroffen" ProSiebenSAT1 trotzt Krise

Während sich die Schlagzeilen um die Insolvenz der KirchMedia überschlagen, bemüht sich die Unternehmenstochter ProSiebenSAT.1 um Ruhe. Man sei von dem Insolvenzantrag nicht direkt betroffen, teilte das Unternehmen mit. Die ProSiebenSAT.1 Media AG sei eigenständig und unabhängig von der Kirch-Gruppe finanziert und werde daher nicht Teil eines Insolvenzverfahrens.

Ganz so gelassen, wie sich das Unternehmen nach außen hin gibt, dürfte es im Konzern aber nicht zugehen. Immerhin sind ProSiebenSAT.1 eng mit der Kirch-Gruppe verflochten und bislang kann noch niemand die gesamten Auswirkungen der Insolvenz auf die Senderfamilie vorhersehen. Die ausstehenden Zahlungen der KirchMedia bezifferte ProSiebenSAT.1 auf höchstens 50 Mio. Euro. Darin sind zum größten Teil bezahlte, aber nicht gelieferte Filmrechte enthalten.

Nicht abzusehen sind die Folgen für die Programme der Kirch-Sender. Wie die „Financial Times Deutschland“ berichtet, wurden bei SAT.1 am Wochenende bereits Vorkehrungen für mögliche Ausfälle getroffen. Kurzfristig wurden alternative Produktionskapazitäten organisiert, für den Fall, dass die Firma Plazamedia ausfällt. Der zum Kirch-Sender DSF gehörende Dienstleister liefert die Fußball-Bundesliga-Bilder für Premiere und SAT.1.

Insolvenz muss nicht schlecht sein

An der Börse wurde die Insolvenz der Muttergesellschaft nicht als schlechte Nachricht für ProSiebenSAT.1 gewertet. Kurzfristig könnte die Insolvenz der KirchMedia der ProSieben-Aktie sogar zu Kursgewinnen verhelfen, erklärten Analysten. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein stufte sogleich die Unternehmensaktie von „Reduce“ auf „Buy“ herauf und erhöhte das Kursziel von sieben auf 13 Euro.

Übernahmefantasien seien halt immer gut für den Kurs, hieß es. Da ProSiebenSAT1 als der wertvollste Teil der Kirch-Gruppe gelte, dürfte es nicht schwer sein, einen Käufer dafür zu finden. Die Liste der möglichen Investoren sei lang und gehe von Murdoch und Berlusconi über Vivendi bis hin zu deutschen Verlagen, erklärten Analysten. Der sich jetzt bietende Einstieg in den deutschen TV-Markt sei sehr verlockend.

Was passiert mit den Sendern?

Gerade der unbekannte zukünftige Investor bereitet dem Medienunternehmen jedoch Kopfzerbrechen. Fraglich ist, ob sich ein neuer Eigentümer auch berufen fühlen wird, die Programminhalte zu ändern.

In dieser Frage gibt sich der Privatsender ProSieben selbstbewusst. Bei ihnen werde es keine Veränderungen geben, erklärte eine Sprecherin des Münchener Senders. Schließlich zählten erfolgreiche Komiker wie Stefan Raab oder Thomas Hermanns zum Sender. Auch Talk-Masterin Arabella Kiesbauer oder Magazine wie „Sam“ und „taff“ sorgten für hohe Werbeerlöse. Der Sender kann sich das Selbstbewusstsein leisten. Immerhin war ProSieben mit einem Vorsteuerergebnis von 262 Mio. Euro die lukrativste Kirch-Beteiligung im letzten Jahr.

Auch der zweite Gewinn bringende Sender Kabel 1 will von Umstrukturierungen nichts wissen. Der Sender mit „den besten Filmen aller Zeiten“ verweist auf seine „Cash Cows“ im Bereich Filmklassiker, Serien und Showrelaunches wie die Neuauflage von „Was bin ich“. Gefahr könnte für das in der Zuschauergunst gesunkene „Glücksrad“ bestehen.

Düsterer sieht es für SAT.1 aus. Der Sender hat 2001 einen Verlust von 77 Mio. eingefahren. Medienexperten sehen erhebliches Sparpotenzial bei dem Sender. Abgesehen von der ungewissen Zukunft der Fußball-Bundesliga würden Programmflächen wie der schwache Vorabend oder die Wochenenden auf dem Prüfstand stehen, hieß es. Spekulationen über die Fußball-Bundesliga wurden vom ProSiebenSAT1-Chef Urs Rohner zurückgewiesen. SAT.1 sei auch über die laufende Bundesliga-Saison an der Übertragung interessiert, so Rohner.

Der Nachrichtensender N24, der seit seiner Gründung vor zwei Jahren noch nicht die Gewinnzone erreicht hat, gilt bei Branchenbeobachter aufgrund der wertvollen Kabel-Frequenzen als potenzieller Übernahmekandidat. Als Käufer ist Herbert Kloiber von Tele München im Gespräch. ProSiebenSAT.1 kündigte jedoch an, N24 stärker als Nachrichtenlieferant für die eigenen Sender nutzen zu wollen.

Dem Sportsender DSF, der nicht zu ProSiebenSAT.1, sondern zu KirchMedia gehört, werden kaum noch Überlebenschancen eingeräumt. Der Sender hat seit seiner Gründung über 480 Mio. Euro Verluste geschrieben und scheint auch keinen Käufer anzulocken. Sein Schicksal teilen die Regionalsender Hamburg 1, TV Berlin und TV München, für die sich ebenfalls keine Investoren finden lassen.

ProSiebenSAT.1 gehört zu 52,52 Prozent der KirchMedia. Ursprünglich wollten die beiden Gesellschaften in diesem Sommer fusionieren. Wegen der Finanzkrise der KirchMedia wurden die Verschmelzung aber abgesagt.

Quelle: n-tv.de