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Mobbing am Arbeitsplatz Rechtzeitig wehren

Wer unter Mobbing am Arbeitsplatz leidet, sollte sich frühzeitig zur Wehr setzen. "Der Gemobbte darf sich nicht in die Isolation treiben lassen und resignieren", rät der Frankfurter Informationsdienst "Recht und Verbraucher". Arbeitsrechtlich sei Mobbing in Deutschland verboten.

Der erste Schritt aus einer drohenden Krise liege in einem offenen Gespräch mit Beteiligten und Verantwortlichen. Durch Vermittlung und Schlichtung lasse sich die Situation im Frühstadium häufig noch entschärfen. Dabei spiele auch der Betriebsrat eine wichtige Rolle: Grundsätzlich bestehe in Betriebsvereinbarungen die Möglichkeit, ein Belästigungsverbot mit Sanktionen zu verankern.

Ist der Grad der Diskriminierung fortgeschritten oder gehen die Angriffe vom Vorgesetzten aus, dann können Betroffene den Angaben zufolge auch rechtliche Mittel ergreifen. So könne im Fall von Beleidigung oder Kränkung auf Unterlassung geklagt werden. Gegen schikanöse Dienstanweisungen und herabwürdigende Anordnungen lasse sich gegebenenfalls eine einstweilige Verfügung erwirken. Um hierbei Aussicht auf Erfolg zu haben, sollten die Opfer die erlittenen Demütigungen und Erniedrigungen dokumentieren oder neutrale Kollegen bitten, den Terror zu bezeugen.

In Einzelfällen ist nach Einschätzung des Münchner Rechtsanwalts und Arbeitsrechtlers Johannes Linsig auch eine Entschädigung in Form von Schmerzensgeld möglich. Zwar hätten Mobbing-Opfer laut Bundessozialgericht keinen Anspruch auf Gewaltopfer-Entschädigung. Das thüringische Landesarbeitsgericht habe allerdings grundsätzlich die Möglichkeit eröffnet, seelische und körperliche Gesundheitsschäden in Folge von Mobbing-Angriffen entschädigen zu lassen.

Linsig warnte aber vor überstürzten rechtlichen Schritten. Panikreaktionen verschlimmerten die Situation des Opfers nur. Wenn trotz Gesprächsbemühungen keine Lösung des Problems in Sicht sei, sollten sich die Betroffenen in Ruhe nach einer neuen Arbeitsstelle umschauen. Gleichzeitig könnten mit dem Arbeitgeber Verhandlungen über eine Vertragsbeendigung gegen Abfindung aufgenommen werden - wegen Unerträglichkeit des Arbeitsklimas.

Quelle: n-tv.de