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"Mehrheit ist Mehrheit" Regieren mit einer Stimme mehr

"Mehrheit ist Mehrheit", befand Gerhard Schröder (SPD), als seine Partei bei der niedersächsischen Landtagswahl im März 1994 gerade 81 Sitze, einen mehr als unbedingt nötig, erhalten hatte. Schröder hielt vier Jahre durch, siegte auch 1998 und wurde im selben Jahr Bundeskanzler.

Derzeit wird Hessen von einer hauchdünnen Mehrheit regiert: Bei der Wahl 2003 gewann die CDU von Ministerpräsident Roland Koch 56 Mandate, die Opposition von SPD, Grünen und FDP kam auf 54 Sitze.

In den 90er Jahren war es nicht nur in Niedersachsen knapp. 1991 kam die Hamburger SPD mit Bürgermeister Hennig Voscherau "nur" auf 61 der 121 Bürgerschaftssitze. Zwei Jahre später ging Voscherau ein Bündnis mit der Statt-Partei ein. In Schleswig-Holstein konnten die Sozialdemokraten 1992 mit Björn Engholm ihre Mehrheit knapp verteidigen. Mit nur 46,2 Prozent der Stimmen gewannen sie 45 der 89 Sitze. Damals verfehlten die Grünen den Sprung ins Kieler Parlament.

Im Saarland gelang der CDU 1999 mit 26 von 51 Mandaten der Machtwechsel. Die SPD musste nach mehr als 14 Jahren wieder in die Opposition. Seit der Wahl 2003 ist die Mehrheit von CDU-Regierungschef Peter Müller mit 27 zu 24 Sitzen etwas komfortabler. 1994 hatten die Sozialdemokraten ihre Mehrheit unter Oskar Lafontaine mit 27 von 51 Sitzen behaupten können.

Die erste CDU/FDP-Regierung von Mecklenburg-Vorpommern hatte erst nach dem Übertritt eines früheren SPD-Abgeordneten 1991 eine Stimme mehr als nötig. Gestartet war Ministerpräsident Alfred Gomolka 1990 bei einem Gleichstand von 33 zu 33 Sitzen. Bei seiner Wahl hatte er mindestens zwei Stimmen aus den Reihen der Opposition erhalten.

Quelle: ntv.de