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Millionen-Bußgelder Rekordstrafe für Zementkartell

Das Bundeskartellamt hat im Verfahren um Preisabsprachen gegen sechs Zement- und Betonhersteller ein Bußgeld von rund 660 Mio. Euro verhängt.

"Das ist das höchste Bußgeld in der Geschichte des Bundeskartellamtes ", sagte Kartellamtspräsident Ulf Böge. Die Behörde begründet die Strafen mit Absprachen beim Preis, bei den Lieferquoten und in weiteren Bereichen.

Auf HeidelbergCement entfalle eine Strafe von 252 Mio. Euro. Dyckerhoff müsse 95 Mio. Euro zahlen, Schwenk Zement solle mit 142 Mio. Euro büßen, Lafarge habe 86 Mio. Euro zu entrichten, auf die Alsen AG entfallen 74 Mio. Euro und Readymix werde mit zwölf Mio. Euro zur Kasse gebeten. "Gegen mehrere weitere mittelständische Unternehmen werde weiter ermittelt", sagte Böge.

HeidelbergCement erhebt Einspruch

Der Baustoffhersteller HeidelbergCement wies den Vorwurf des Bundeskartellamts auf Preismanipulationen erneut zurück und kündigte an, Einspruch gegen das verhängte Bußgeld von mehr 250 Millionen Euro einzulegen.

"Im Kartellverfahren gegen die deutsche Zementindustrie hat die HeidelbergCement AG heute einen Bußgeldbescheid des Bundeskartellamtes über 251,5 Millionen Euro erhalten", teilte das Unternehmen. Der zentrale Vorwurf laute auf langjährige Beteiligung an Quotenabsprachen in Süddeutschland. "Die Gesellschaft bestreitet den wesentlichen Teil der Vorwürfe sowie jeglichen Mehrerlös und wird umgehend Einspruch einlegen."

HeidelbergCement hat für die Kartellamtsstrafe wie andere betroffenen Konzerne auch eine Rückstellung gebildet, bislang aber noch nicht die genaue Höhe beziffert.

Erneute Untersuchung bei Holcim

Unterdessen muss der Schweizer Zementkonzern Holcim nach einer Millionen-Buße in Deutschland nun möglicherweise auch in Italien bangen. Die italienischen Wettbewerbsbehörden haben gegen zahlreiche Betonhersteller eine Untersuchung eingeleitet und dabei auch bei Holcim Dokumente beschlagnahmt.

"Ich kann bestätigen, dass sich die italienischen Wettbewerbsbehörden mit der Betonindustrie im Grossraum Mailand auseinandersetzen," erklärte ein Holcim-Sprecher am Montag. "Auch Gesellschaften von uns sind miteinbezogen." Holcim wisse allerdings nicht, wie die Anschuldigungen lauteten.

In der vergangenen Woche hatte die Zeitung "Il Sole 24 Ore" berichtet, die italienischen Behörden hätten gegen zehn Transportbetonhersteller, darunter Holcim Calcestruzzi, sowie den Zementhersteller Holcim Cementi eine Voruntersuchung wegen möglichen Wettbewerbsabsprachen eingeleitet. Das Verfahren solle bis 30. Juli 2004 abgeschlossen werden. Die italienischen Behörden bestätigten die Meldung, wollten sich aber nicht zu den einzelnen Phasen der Untersuchung äussern

Quelle: ntv.de