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"Vom Reichtum besessen" Richter weisen Anlegerklagen ab

Anleger, die Investmentbanken für erlittene Verluste zur Verantwortung ziehen möchten, haben wenig Aussichten auf Erfolg. US-Bundesrichter haben am Dienstag eine Sammelklage gegen den Broker Merrill Lynch im Zusammenhang mit den Börsengängen 24/7 Real Media und Interliant abgewiesen.

Die Online-Werbefirma 24/7 und der Softwarehersteller Interliant waren von Merrill an die Börse gebracht worden; sie gehörten zu den Titeln, die von dem umstrittenen Ex-Staranalysten Henry Blodget empfohlen worden waren. Nachdem bekannt geworden war, dass der inzwischen entlassene Merrill-Analyst Blodget Aktien, die er intern als wertlos bezeichnet hatte, Privatinvestoren zur Zeichnung empfahl, reagierten diese erzürnt und strengten Klagen an.

Den Investoren sei es nicht gelungen, Merrill und seinen Analysten eine betrügerische Absicht bei den ausgesprochenen Aktienempfehlungen nachzuweisen, sagte Richter Milton Pollack in New York. Er beschuldigte die Kläger sogar, hoch risikobereite Spekulanten zu sein, die sich entschieden hätten, "ein ausuferndes Casino zu betreten, das Tausende angelockt hätte, die von der Idee antiken Reichtums besessen gewesen seien.

In einer zweiten Auseinandersetzung wies Bundesrichter Harold Baer eine Klage gegen die Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley und Credit Suisse First Boston ab. Den Klägern sei es nicht gelungen, so Baer, ihre nach dem Kauf der Aktie der Covad Communications erlittenen Verluste direkt in Zusammenhang mit Empfehlungen der gennanten Banken zu bringen. Die Kläger hätten versucht, "die Bundesgesetze in das Schema einer Gratis-Versicherung für Spekulanten zu pressen", führte Richter Baer aus.

Während Vertreter der Anklage Anfechtungen erwägen, sehen Analysten die richterlichen Verfügungen als Präzedenzentscheidungen. "Für die Zukunft bedeutet dies, dass es Spezialkanzleien für Sammelklagen sehr schwer haben werden, sich mit Insitutionen im Wertpapiergeschäft anzulegen", sagte Ron Geffner. Geffner ist ein ehemaliger Vollzugsbeamter der US-Börsenaufsicht SEC; jetzt ist er beim Brokerhaus Sadis & Goldberg beschäftigt.

Quelle: ntv.de