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Begehrtes Springer-Paket Ringier aus dem Rennen?

Der Einstieg des Schweizer Verlages Ringier beim Axel-Springer-Verlag ist offenbar gefährdet. In Medienberichten hieß es, besonders der von Ringier gewünschte Einfluß auf die Geschäftstätigkeit Springers sei umstritten. Hierzulande ist der Schweizer Verlag vor allem durch die Affäre um den ehemaligen Schweizer Botschafter Thomas Borer bekannt geworden.

Der von den Schweizern verlangte Sitz im Springer-Vorstand geht offenbar vor allem dem Vorstandsvorsitzenden des Hamburger Verlages, Mathias Döpfner, gegen den Strich. Eine Vertretung im Aufsichtsrat sei dagegen dem Ringier Verlag nicht genug, hieß es.

Bei den Verlagen wurde jedoch dementiert, dass es Probleme bei den Gesprächen gebe. Die Verhandlungen hätten etwa die Hälfte der Gesamtstrecke erreicht und Ende September werde Klarheit über den weiteren Verlauf der Verhandlungen herrschen, hieß es bei Ringier. Die Spekulationen seien gegenstandslos, erklärte eine Sprecherin des Springer-Verlages. Es werde mit Ringier über viele Fragen gesprochen, unter anderem auch über die Art der Einflußnahme auf das Geschäft. Dieser Punkt sei aber nicht umstritten.

Um bei Springer einsteigen zu können, müsste der Ringier-Verlag das 40-Prozent-Paket von Leo Kirch erwerben. Nachdem der Springer-Aufsichtsrat am letzten Freitag den Antrag Kirchs auf eine Genehmigung für einen Verkauf seines Anteils an die Essener WAZ-Gruppe abgelehnt hatte, ist Ringier offenbar der einzige Interessent für das Paket.

Leo Kirch kann seinerseits nicht frei über den Verkauf entscheiden. Wie das Landgericht München entschied, darf der Medienunternehmer sein Paket nur mit Zustimmung des Springer-Aufsichtsrat veräußern. Medienberichten zufolge will Kirch aber Berufung gegen dieses Urteil einlegen.

Die Ringier-Affäre

Die "Borer-Affäre" sollte den Weg ebnen: Mit der Geschichte um den Schweizer Diplomaten Thomas Borer und seiner angeblichen Affäre mit Visagistin Djamila Rowe wollte der Schweizer Medienzar Michael Ringier seinen "Zürcher Sonntagsblick" ganz nach vorne bringen. Doch die Top-Story erwies sich als Boomerang und wurde zur "Ringier-Affäre".

Zwar kosteten die Schlagzeilen dem Botschafter Borer den Posten - doch die Bilanz sah auch auf Seiten des Verlags nicht gut aus. Der Verlag trennte sich von den verantwortlichen Redakteuren, wie dem Chefredakteur Mathias Nolte, einst Vize-Chef des Herrenmagazins "Penthouse". Die auf die Story angesetzte Redakteurin, Alexandra Würzbach, gab ihren Posten aus eigener Initiative auf, "um einen Beitrag zur Entspannung" der gegenwärtigen Situation zu leisten. Auch ihr Ehemann, der stellvertretende Chefredakteur Ralph Grosse-Bley räumte seinen Platz. Der ehemalige Bild-Redakteur soll die treibende Kraft hinter der Story gewesen sein.

Doch damit war die Geschichte für Borer noch nicht vom Tisch. Mit Hilfe des Berliner Staranwaltes Andreas Schulz forderte der Ex-Botschafter Schmerzensgeld vom Schweizer Verlag. Immerhin hatte die Gattin des Diplomaten vermutlich wegen der ganzen Aufregung um die Affäre eine Fehlgeburt erlitten. Die Klage endete mit einem außergerichtlichen Vergleich, bei dem sich der Verlag öffentlich beim Ehepaar Borer-Fielding entschuldigte und ein Schmerzensgeld in schätzungsweise sechststelliger Höhe zahlte.

Branchenbeoachtern zufolge schmälert die Borer-Affäre aber nicht die Chancen des Ringier-Verlag bei Springer einzusteigen. In Sachen Wettbewerb könne dem deutschen Markt nichts Besseres passieren, als der Einstieg der Schweizer, heißt es. Schließlich würde dies die deutsche Medienlandschaft, die bislang fest in der Hand deutscher Verleger ist, auflockern.

Quelle: n-tv.de

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