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Kartell-Rückstellung erhöht Roche überrascht negativ

Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat unerwartet eine Erhöhung seiner Rückstellungen für die noch offenen Fälle von Vitamin-Preisabsprachen bekannt gegeben. Zudem blieb das Unternehmen mit den gleichzeitig veröffentlichten Umsatzzahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2002 unter den Erwartungen.

Für die in den USA noch nicht abgeschlossenen Verfahren um das Vitaminkartell stellte Roche weitere 1,2 Mrd. sfr zurück, teilte der Konzern mit. Vor gut einem Jahr hatte die EU-Kommission Bußgelder in einer Rekordhöhe von 855,22 Mio. Euro gegen acht Hersteller von Vitaminpräparaten verhängt. Betroffen waren neben F. Hoffmann-La Roche Europas größter Chemiekonzern BASF sowie der deutsche Hersteller Merck KGaA.

Die Kommission warf den Unternehmen illegale Absprachen zur Marktaufteilung und Preisfestsetzung vor. Wettbewerbskommissar Mario Monti sagte, es handele sich um das schlimmste Kartell, gegen das die Kommission jemals ermittelt habe. Roche hat den Bereich Vitamine- und Feinchemikalien Anfang September für 2,25 Mrd. Euro an die niederländische DSM verkauft und will die Transaktion im ersten Quartal 2003 abschließen.

Umsätze unter den Erwartungen

Der Umsatz von Januar bis September habe auf adjustierter Basis um ein Prozent auf 19,270 Mrd. sfr zugelegt. In Lokalwährungen betrug das Umsatzplus sieben Prozent, erklärte Roche weiter. Analysten hatten im Durchschnitt einen Konzernumsatz von 19,54 Mrd. sfr erwartet.

Im größten Bereich Pharma stagnierte der Umsatz von Januar bis September in Franken und wuchs um sechs Prozent in lokalen Währungen auf 13,903 Mrd. sfr. Auch hier lag das Ergebnis unter den Prognosen der Marktbeobachter, die mit 14,08 Mrd. sfr gerechnet hatten. Die Verkaufserlöse der Diagnostics-Division legten fünf Prozent in Franken und elf Prozent in Lokalwährungen auf 5,367 Mrd. sfr zu und lagen damit leicht unter den 5,46 Mrd. sfr der Analysten.

Für das Gesamtjahr bestätigte Roche seine Ertragsziele - eine Steigerung des Umsatzes im mittleren bis hohen einstelligen Bereich in lokalen Währungen aus und leicht höhere Ebitda- und Ebit-Margen im Konzern. Die Zulassung von Roches wichtigstem neuen Produkt, dem Hepatitis C-Medikament Pegasys in den USA, komme planmäßig voran, so das Unternehmen. In 2003 will Roche ein zweistelliges Konzernwachstum in Lokalwährungen bei Pharma und Diagnostics erreichen.

Quelle: ntv.de