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Interessiert Sie das? Safer Sex im Bus zur Aids-Gala

Von Sabine Oelmann

Bis nach Adlershof - das ist echt am Ende der Welt für einen (West-)Berliner. Und dazu kommt, dass es nicht das schönste Ende der Welt ist. Aber egal - hier findet sie nun mal statt, die Aids-Gala des Privatsenders Sat1 und deswegen gibt es auch kein Maulen, denn es ist ja, wie fast immer in diesen harten Zeiten: Feiern für den guten Zweck.

Das aufgebrezelte Partyvolk versammelt sich, wenn es die Taxikosten scheut, in Berlin Mitte vor dem Sitz des Senders, denn dort wartet ein Bus, der nach Glamourland aufbricht. Rock-raffen beim Einsteigen, ein leeres Plätzchen ergattern, fertig. Für die lange Strecke gibts sogar noch Schokolade mit auf den Weg - man kann sich schon verwöhnen lassen. Der Busfahrer scheint sich nicht auszukennen, denn er fährt im Kreis - dies wird allerseits, auch von Nicht-Einheimischen, staunend zur Kenntnis genommen. Aber was solls, die Friedrichstraße ist festlich erleuchtet und da kommt das Paar hinter mir in der letzten Reihe so richtig in Stimmung.

Dem Gespräch des einen Herrn und der beiden Damen ist zu entnehmen, dass es sich bei der einen (der Blondine natürlich, sorry), um die Geliebte des Herrn handelt. Die andere, die Brünette, wie ich bei einem unauffälligen Blick nach hinten feststelle, ist wohl die Freundin der Freundin. Das ist ja nichts Ungewöhnliches - ungewöhnlich ist jedoch die Tatsache, dass die drei einen Mordsspaß daran zu haben scheinen, sich über die nicht anwesende Gattin des Herrn zu unterhalten, ja gar sich über sie lustig zu machen.

Der interessierte und auch der weniger interessierte Zuhörer im Bus (denn man gab sich keinerlei Mühe, leise zu sprechen), erfuhr des weiteren, dass der Herr über mindestens ein Kind (noch relativ klein und Papas ganzer Stolz) verfügt und dass er eine Veranstaltung ähnlicher Natur wie die uns noch bevorstehende nächste Woche gedenkt mit seiner Gattin zu besuchen. Das löste in der Geliebten allerdings weder Panik noch Verdruss aus, sondern eher Amüsement und Sportsgeist. Wie lustig! Dann könne man ja so tun, als ob man sich nicht kenne! Nein, das geht ja nun auch nicht, das wäre doch zu auffällig. Und über diesem ganzen Techtelmechtel, was einem die lange Fahrt echt verkürzen konnte, sind wir doch glatt schon in Adlershof.

Diese Anmerkung sei aber noch gestattet: Eines dieser Landeier stellte während der Fahrt fest: "Jetzt sind wir, glaube ich, schon im Osten." Ha, Ahnungslose, das warst du schon die ganze Zeit! Wahrscheinlich hat sie auch noch ihren Ausweis im Täschchen gehabt, um ihn an der Grenze vorzeigen zu können ... Na egal, die Drei haben sich bestimmt prächtig amüsiert, vor allem beim Get-Together after the show.

Apropos Show - selbige must go on und deshalb noch ein paar kurze Randnotizen: Also, es waren viele Fotografen da, es waren viele bunte Leute da, die man bei Veranstaltungen dieser Art in München zum Beispiel nicht sehen würde (Männer in Frauenkleidern, außer sie heißen Benjamin Tewaag oder Rudolph Mooshammer), es gab schöne, sparsam bekleidete Frauen und Männer in Nadelstreifenanzügen (ausschließlich!), es gab lecker Essen, viel zu trinken und es gab - H.P. Hape Kerkeling, der alles überragende Moderator, der mit seinem Spontanwitz und seinen Einspielern das spendenwillige Volk am Bildschirm und auch in Adlershof zum Lachen und zum Weinen brachte. Es kam schließlich fast eine Mio. Euro zusammen, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, bedankte sich artig und auch die Schirmherrin Rita Süßmuth war angetan.

Als wir gehen wollen, bekommen wir noch eine CD in die Hand gedrückt, von der ein ganzer Euro an die Aids-Stiftung geht und auf der die Hits der Sendung sind, der wir gerade beiwohnen durften. Apropos beiwohnen: Am Ausgang gab es keine Kondome, schade eigentlich. Vor allem schade für die Gattin, die nicht weiß, dass ihr Mann gleich mit seiner Geliebten ins Hotel gehen wird ...

Quelle: ntv.de