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Dienstag, 17. Oktober 2006

RWE verkauft Thames Water: Sanus per aquam

Mit dem Verkauf der britischen Tochter Thames Water treibt RWE-Chef Harry Roels die weitgehende Trennung vom ungeliebten Wassergeschäft voran.

Unter Roels' Vorgänger Dietmar Kuhnt war der Essener Konzern groß in die Wasserversorgung eingestiegen, weil RWE zum Rundumversorger werden sollte. Neben dem Strom- und Gasgeschäft wollte sich das Unternehmen mit Dienstleistungen für Trink- und Abwasser ein drittes profitables Standbein aufbauen. Für Thames Water blätterte RWE vor sechs Jahren 7,1 Mrd. Euro hin, einschließlich Schulden waren es über elf Mrd. Drei Jahre später kam American Water für weitere 4,5 Mrd. Euro hinzu. Sein US-Wassergeschäft legt RWE ebenfalls trocken: Die Tochter soll spätestens 2007 an die Börse gebracht werden.

Den weitgehenden Rückzug aus dem Wasser - RWE ist noch an regionalen Wasserversorgern in Berlin und Dortmund beteiligt - hatte Roels vor einem Jahr angekündigt. "Das Konzept eines weltweiten Wasseranbieters ist nicht aufgegangen", zog er nüchtern Bilanz. RWE verwies auf geringe Synergien zwischen dem nordamerikanischen und britischen Wassergeschäft einerseits sowie zwischen Wasser, Strom und Gas andererseits. "Mehr Fokus auf Energie" lautet die Losung des Niederländers. RWE will sich mit dem Verkaufserlös für Thames und American Water für Zukäufe im margenstarken Strom- und Gasgeschäft konzentrieren. Vorbild dafür ist der größere Rivale Eon.

Verkauf schafft mehr Spielraum für Investitionen

Das Wassergeschäft zahlte sich für RWE trotz sprudelnder Investitionen nicht aus. Zwar konnte Thames Water sein betriebliches Ergebnis im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 1,4 Mrd. Euro steigern. Das Gesamtniveau des Gewinns und die Zuwächse lagen aber weit unter denen der Ertragsperlen RWE Power und RWE Energy, die jeweils um mehr als 14 Prozent auf 2,1 und 2,5 Mrd. Euro zulegten. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) blieb mit 7,4 Prozent weit hinter der des Gesamtkonzerns (14,7 Prozent) zurück.

Zudem drohten bei Thames Water und American Water in den kommenden Jahren große Investitionen in die Infrastruktur. Doch gleichzeitig können die Wasserversorger ihre Preise unter den Daumenschrauben der Regulierungsbehörden nur begrenzt erhöhen. Für RWE ist der Verkauf deshalb ein Befreiungsschlag: "Ohne den geplanten Verkauf würden fast 40 Cent von jedem Euro, der uns für Investitionen zur Verfügung steht, in das Wassergeschäft nach London oder in die USA fließen", hatte Roels gesagt.

Thames Water war immer wieder wegen maroder Leitungen im Großraum London in die Schlagzeilen geraten. Kunden klagten im Sommer über Einschränkungen beim Wasserverbrauch, während aus den lecken Leitungen Millionen Liter im Erdreich versickerten. Im Juli erklärte sich Thames Water unter dem Druck der Behörden bereit, bis 2010 zusätzlich 216 Mio. Euro in die Sanierung zu stecken. Zuvor hatte der Versorger bereits Investitionen in das Leitungsnetz von 1,4 Mrd. Euro angekündigt.

Quelle: n-tv.de