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Eiskalte Schadensrechnung Sars schlimmer als Flut

Zwei der verheerendsten Naturgewalten - ein Monster-Erdbeben und ein riesiger Tsunami - haben Südasien Tod, menschliches Elend und Zerstörung in einem bislang kaum da gewesenen Ausmaß gebracht. Die harten Rechner unter den  Wirtschaftsexperten kommen bei der Betrachtung der ökonomischen Schäden infolge dieser Katastrophe allerdings zu dem Ergebnis, dass der winzige Sars-Virus, der vor zwei Jahren über die Menschen in Südostasien hereinbrach und eine Epidemie von Lungenerkrankungen verursachte, weitaus verheerender war.

"Schwere Nachbeben einmal ausgeklammert, kommen die Folgen der Flutkatastrophe für die Tourismusindustrie und die Wirtschaftsleistung in der Region wahrscheinlich nicht einmal annähernd an die Schäden des Sars-Ausbruchs Anfang 2003 heran", erklärt Rajeev Malik von der PJ Morgan Chase Bank in Singapur.

Die Lungensuche Sars hatte die Menschen in Asien über Monate hinweg in Angst und Schrecken versetzt. Knapp 800 Männer, Frauen und Kinder starben an den Folgen des Schweren Akuten Atemwegs-Syndroms (Sars) - ein Bruchteil der Opferzahl der jüngsten Flutkatastrophe.

Die Flut: "Ein einmaliger Schock"

Malik sagt voraus, dass die Flutkatastrophe ein isolierter, einmaliger Schock ist, den die Touristen bald vergessen werden. Viele Erholungssuchende würden weiter in die Region reisen und einfach andere Orte besuchen, die von der Katastrophe nicht heimgesucht worden sind. Sars dagegen sei ein unbekanntes Ereignis mit offenem Ausgang gewesen, das sich über mehrere Monate hingezogen und Panik unter den Menschen und an den Finanzmärkten ausgelöst habe.

Der Volkswirtschafler Joseph Lau von Credit Suisse First Boston in Hongkong betont, dass der Tsunami im Gegensatz zu Sars nicht ins ökonomische Herz der Region vorgestoßen ist. Von der Flutwelle wurden zumeist ländliche Küstengebiete betroffen, aber keine größeren Wirtschaftszentren und Ballungsräume. Sars hingegen betraf gerade die Wirtschaftsmetropolen Peking, Taipeh, Hongkong und Singapur.

Sars trifft die Metropolen

Sars hatte verheerende Folgen für den Fremdenverkehr. So verzeichnete auf dem Höhepunkt der Krise im Mai 2003 die Tourismusbranche in China einen Rückgang um 70,5 Prozent, in Hongkong um 86,8 Prozent und in Singapur um 70,7 Prozent. Die Zahl internationaler Reisender in die Asien-Pazifik-Region fiel in den ersten fünf Monaten des vergangenen Jahres um 6,6 Millionen.

Zweifellos wird der Tourismus in einigen der vom Tsunami zerstörten Gebiete stark zurückgehen, allen voran auf den Malediven und Sri Lanka. Viele Wirtschaftsexperten gehen aber davon aus, dass die Flaute nicht allzu lange anhalten wird. So wird Thailands riesige Tourismusindustrie einer Studie von Goldman Sachs zufolge nach ökonomischen Gesichtspunkten zwar der größte unmittelbare Verlierer der Flutwelle sein. Das Geschäft mit den Urlaubern dürfte aber rasch wieder in Schwung kommen, weil die Thailänder schnell reagiert und Gefahren für die öffentliche Gesundheit eingedämmt hätten, heißt es in der Studie weiter.

Rasche Hilfe für Tsunami-Opfer

Anders als bei Sars stand nach der Tsunami-Katastrophe das Ausmaß der Verheerungen nach wenigen Tagen weitgehend fest, und es wurde rasch Hilfe mobilisiert. "Es herrscht der Eindruck vor, dass es ein furchtbares Unglück gab, dass sich die Welt zusammengefunden hat, um zu helfen, und dass es Fortschritte gibt", fasst Adrian Mowat von JP Morgan in Hongkong die Stimmung der asiatischen Finanzwelt zusammen. Diese Zuversicht habe während der Sars-Krise gefehlt.

Quelle: n-tv.de