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Gegen Möllemann und die Justiz Schlingensief bekommt Ärger

Seine in Anlehnung an das "Projekt 18" der FDP betitelte "Aktion 18" bringt Christoph Schlingensief eine Menge Ärger ein. In Duisburg wird wegen des möglichen Aufrufs zu einer Straftat gegen den Regisseur ermittelt. Auch die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft untersucht "haargenau" Videoaufnahmen von einer Aktion in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Und in Berlin wird auf Grund der Internet-Seite, auf der Schlingensief für seine Aktion geworben hatte, dem Verdacht auf Volksverhetzung nachgegangen.

"Tötet Möllemann" gerufen?

Mit Empörung reagierte FDP-Vize Jürgen Möllemann auf eine Aktion Schlingensiefs am Sonntag in einem Duisburger Theater. Der Regisseur habe dort die verfassungsrechtlichen Grenzen der Kunstfreiheit weit überschritten, sagte der FDP-Mann. Schlingensief habe auf einem Foto des Politikers herumgetrampelt, dieses mit einer Bohrmaschine bearbeitet und dabei "Tötet Möllemann" gerufen. Damit habe er zu einer Straftat aufgerufen. Er fühle sich in seinen Rechten verletzt, erklärte Möllemann. "Was daraus wird, wird sich zeigen", fügte er hinzu.

Der FDP-Politiker zog einen Vergleich zum Fall des Islamisten Metin Kaplan, des so genannten "Kalifen von Köln". Dieser war wegen Aufrufs zum Mord zu vier Jahren Haft verurteilt worden. "Unser demokratisches System duldet solche Aufforderungen nicht", sagte Möllemann.

Schlingensief hingegen bestritt, die Worte "Tötet Möllemann" gerufen zu haben. "Da ist etwas gehört worden, was gar nicht da war", erklärte er. Zwischen den Wörtern habe es vielmehr eine dramaturgische Pause gegeben. "Was ich auf der Bühne mache, steht im Kunstkontext", betonte Schlingensief. Von Seiten der Duisburger Staatsanwaltschaft hieß es, es seien Vorermittlungen wegen des Verdachts auf mögliche Straftaten eingeleitet worden.

Strohpuppe verbrannt

Eine weitere Aktion Schlingensiefs, die am Montag in Düsseldorf stattgefunden hatte, beschäftigt ebenfalls die Staatsanwaltschaft. Vor der Firma Möllemanns (WEB/TEC - Wirtschafts- und Exportberatung) hatte Schlingensief einen Galgen mit Strohpuppe, ein Konterfei des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon und eine israelische Flagge angezündet. Zudem zerriss er FDP-Wahlplakate und kippte tote Fische in ein mitgebrachtes Klavier.

Volksverhetzung im Netz?

Der Düsseldorfer Oberstaatsanwalt Johannes Mocken bezog auch zu Schlingensiefs Internet-Auftritt zur "Aktion 18" Stellung. Die Seite sei akustisch und textlich "starker Tobak", erklärte er. Unter anderem seien dort Märsche aus der Nazi-Zeit zu hören gewesen.

Darüber hinaus war auf der Seite die Aufforderung "Werden Sie Selbstmordattentäter" zu lesen. Dies sei eine "absolute Unverschämtheit", sagte Mocken. Auf Grund des Erscheinungsortes der Website an Schlingensiefs Wohnort Berlin sei die dortige Staatsanwaltschaft zuständig.

Der Regisseur verteidigte sich gegen den Vorwurf der Volksverhetzung mit dem Hinweis, "alle Teile der Seite seien aus anderen Seiten zusammengestellt". Die Originale würden jedoch bislang von der Staatsanwaltschaft nicht verfolgt.

Schlingensief hat mit provozierenden Aktionen schon mehrfach für kleinere und größere Skandale gesorgt. Unter anderem setzte er in einer "Hamlet"-Inszenierung angeblich ausstiegswillige Neonazis als Komparsen ein. In Wien sperrte er in Anlehnung an "Big Brother" mehrere Asylbewerber in einem Container ein. Ziel dieser Aktion war es, gegen die Beteiligung der FPÖ an der österreichischen Regierung zu protestieren.

Quelle: ntv.de