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Mobilcom-Misere Schmid soll gehen

von Antje Goll

Die Aktionäre scheinen genug zu haben von Mobilcom-Vorstandschef Gerhard Schmid. Nachdem Meldungen über eine Abberufung des Firmengründers kursierten, legte die Mobilcom-Aktie um 30 Prozent zu. Aus Aufsichtsratskreisen war zuvor verlautet, dass das Gremium auf seiner Sitzung am 21.Juni vermutlich die Abberufung Schmids beschließen wird. „Wenn es wie erwartet zur erneuten Abstimmung kommt, wird Schmid das nicht überleben“, sagte Betriebsratschef Christian Teufel, der im Aufsichtsrat von Mobilcom sitzt.

Zuvor waren Gerüchte in Umlauf gebracht worden, denen zufolge der Hongkonger Mischkonzern Hutchison-Whampoa einen erneuten Versuch starten will, auf dem deutschen Handy-Markt Fuß zu fassen. Wie die „Berliner Zeitung“ berichtet, wird zu diesem Zweck ein Einstieg bei Mobilcom erwogen.

"Die Schulden will doch keiner"

Eine solche Möglichkeit hält Andreas Heinold von der Landesbank Baden-Württemberg für äußerst unwahrscheinlich. „Den Schuldenberg von Mobilcom will doch keiner übernehmen, auch Hutchison nicht“, erklärte der Telekomanalyst gegenüber n-tv.de. Die Spekulationen über einen möglichen Einstieg von Hutchison Whampoa könnten ein gezieltes Manöver sein, um Bewegung in die verfahrene Situation zu bringen. Die Banken, allen voran die beteiligte France Tlcom, wollten sich vor allem von Mobilcom-Vorstandschef Gerhard Schmid trennen, so der Analyst weiter. Eine einvernehmliche Lösung mit den Banken ohne Schmid wäre den Angaben zufolge die wahrscheinlichste. Jedoch sei ein baldiges Ende der Auseinandersetzungen nicht in Sicht. Der Streit werde sich noch über einen lange Zeitraum erstrecken, prophezeit der Experte.

Dass die Hongkonger das Aktienpaket der Franzosen inklusive aller Verbindlichkeiten übernehmen, scheint in der Tat unwahrscheinlich. Der erste Versuch von Hutchison, auf dem deutschen UMTS-Markt Fuß zu fassen, war an den hohen Kosten gescheitert. Der Konzern war bei der Versteigerung der Lizenzen für den Mobilfunk der dritten Generation als Partner von E-Plus aufgetreten, wegen der Kosten jedoch frühzeitig wieder ausgestiegen. Ein Einstieg bei Mobilcom dürfte wohl kaum preiswerter sein, als eine gemeinsame UMTS- Lizenz mit E-Plus.

Der Hongkonger Konzern besitzt bereits über diverse Tochterunternehmen Lizenzen für den Mobilfunk der dritten Generation in Großbritannien, Italien, Österreich, Schweden, Dänemark und Israel. Sollte der finanzstarke Konzern den Büdelsdorfern tatsächlich unter die Arme greifen, wäre das ein Segen für Mobilcom, da France Tlcom den Geldhahn zugedreht hat.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Franzosen, die 28,5 Prozent an Mobilcom halten, einen massiven Stellenabbau in Büdelsdorf planen. Die Belegschaft solle von derzeit 5.500 auf 4.000 verkleinert werden, berichtet „Die Welt“ unter Berufung auf Unternehmenskreise. Gestrickt werde auch an einem Managementkonzept für die Zeit nach der Ablösung des Vorstandschefs und Firmengründers Gerhard Schmid.

Um Deeskalation bemüht

Nachdem der Streit mit der France Tlcom am Dienstag eskaliert war, will man beim deutschen Telefonunternehmen Mobilcom offensichtlich den Konflikt wieder entschärfen. Man stehe in direktem Kontakt mit der France Tlcom, hieß es bei Mobilcom in Büdelsdorf. Pressesprecher Thomas Quaritsch sagte: "Alle Beteiligten führen Gespräche, um die Kuh vom Eis zu kriegen." Ein nächster Termin für eine Aufsichtsratssitzung solle noch vor dem 21. Juni statt finden.

Die France Tlcom hat das mit Mobilcom für den Aufbau des UMTS-Mobilfunks in Deutschland geschlossene Kooperationsabkommen gekündigt. Daraufhin meldete sich Gerhard Schmid in der n-tv-Telebörse am Dienstagabend zu Wort. France Tlcom wolle sich nur eine bessere Ausgangsposition bei den Verhandlungen mit den Banken verschaffen, so der Mobilcom-Chef, der in der letzten Woche einen Rücktritt abgelehnt hatte. Der französische Konzern wirft Schmid nach wie vor Vertragsverletzungen vor.

Mobilcom will Meldungen vom Mittwochmorgen zufolge die Unterstützung der Franzosen nun mit juristischen Schritten einfordern und droht mit einer Klage. France Tlcom hatte zwar bekräftigt, Mobilcom werde vorerst weiter mit Liquidität versorgt. Dies solle aber nur eingeschränkt geschehen: "Wir werden begrenzte finanzielle Unterstützung zur Verfügung stellen, um die Gesellschaft vor dem Konkurs zu bewahren." Mobilcom sieht dafür aber keine rechtliche Grundlage und besteht auf der Erfüllung des Vertrages.

Falls nicht rasch eine akzeptable Lösung gefunden werde, sei klar, dass Mobilcom dann einem Konkurs sehr nahe kommen würde. Außerdem soll weiterhin gemeinsam mit allen beteiligten Parteien nach einer vernünftigen Lösung gesucht werden, dabei ist man im Augenblick.

Quelle: n-tv.de