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DaimlerChrysler will Übernahme abwehren Schrempp weiter unter Druck

Die Aktie von DaimlerChrysler befindet sich seit geraumer Zeit auf Talfahrt. Inzwischen ist der Kurs so niedrig, dass viele Analysten die Gefahr einer Übernahme des deutschen Renommierkonzerns sehen. Doch DaimlerChrysler wehrt sich: Der Großaktionär Deutsche Bank und die Investmentbanker von J.P. Morgan Chase wurden damit beauftragt, eine Abwehrstrategie auszuarbeiten.

Wie konnte das Erfolgsunternehmen in diese prekäre Lage geraten? 1995 stieg Jürgen Schrempp auf den Chefsessel des Stuttgarter Konzerns und begann eine tiefgreifende Restrukturierung. Sein Leitmotiv war die Konzentration auf das Autogeschäft. Deshalb wurden immer mehr "artfremde" Konzernbereiche abgestoßen; statt dessen kaufte Schrempp alles im großen Stil, was mit Autos zu tun hat. Höhepunkt war 1998 die Fusion mit Chrysler, die de facto einer Übernahme gleichkam. Sie wurde gefeiert als erster und wichtigster Schritt zum Anschluss Deutschlands an die Globalisierung. Nach Chrysler folgten Engagements bei der verlustreichen Mitsubishi und dem Koreaner Hyundai.

Aber während die Marke Mercedes florierte, fuhr Chrysler im zweiten Halbjahr 2000 tief in die Verlustzone und riss den Kurs der DaimlerChrysler-Aktie mit. Von einem Allzeit-Hoch im April 1999 von 95,35 Euro sackte der Wert Ende Dezember auf 43,10 Euro ab - erst im neuen Jahr zog der Kurs wieder etwas an.

Zwar wollen die großen Anteilseigner DaimlerChryslers Eigenständigkeit erhalten. Analysten betonen jedoch, dass ein attraktives Übernahmeangebot gute Chancen hätte: Wenn der größte Mehrwert für die Aktionäre durch einen Verkauf erzielt werden könne, würde man nicht daran vorbeikommen.

Der japanische Autoriese Toyota wurde in den vergangenen Tagen immer wieder als angeblicher Interessent ins Spiel gebracht. Eigenen Angaben zufolge passt eine Übernahme von DaimlerChrysler aber nicht in seine Unternehmensplanung.

Zweistufige Abwehrstrategie

Um mögliche Aufkäufer abzuschrecken, setzen Deutsche Bank und J.P. Morgan Chase zunächst auf eine Marketing-Kampagne für die geprügelte Aktie. So berichtet die Welt am Sonntag unter Berufung auf Bankenkreise, dass zunächst Fondsmanager, Investmentbanker und Analysten überredet werden sollen, die DaimlerChrysler-Aktie beim derzeitigen Kurs von gut 50 Euro einzusammeln. “Eine plausible Story soll herausgearbeitet werden, damit die Aktie wieder sexy wird”, sagte ein Insider der “Welt am Sonntag”.

Sollte die erste Alternative nicht erfolgreich ist, erwägen die Beraterbanken, den Mega-Merger rückgängig zu machen. Der Verkauf von Chrysler, so das Kalkül, könnte Geld in die Kasse und Fantasie für die Aktie bringen. Damit würde allerdings Daimler-Chef Schrempp unter starkem Druck geraten. Als Architekt der Fusion müsste er wahrscheinlich von Bord gehen, weil seine Absicht, Chrysler vom Daimler-Image profitieren zu lassen, nicht aufgegangen ist. “Der gute Ruf Daimlers hat durch Chrysler gelitten, deswegen soll verkauft werden,” so ein Insider.

Merck Fink: DaimlerChrysler "Underperformer"

Die Münchener Privatbank Merck Fink hat in einer Kurzstudie die Wertentwicklung der DaimlerChrysler-Aktie mit "unterdurchschnittlich" prognostiziert. Die Netto-Liquidität sei von sechs Mrd. Euro Ende des letzten Quartals auf einen besorgniserregenden Stand von null gesunken, schreiben die Analysten. Damit drohe eine Herabstufung durch die Ratingagenturen, was wiederum eine höhere Zinslast bei Anleihen bedeuten und in der Folge die Liquiditätslage des Konzerns weiter belasten würde. Die Analysten sind der Ansicht, dass die Restrukturierungspläne des Autokonzerns bei Chrysler noch auf lange Sicht die Bilanzen belasten werden. Daher bleibe DaimlerChrysler als Übernahmekandidat interessant.

Quelle: ntv.de