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RAG-Börsengang Schröder dafür

Die Spitzen der Bundesregierung haben dem Essener Mischkonzern RAG nach Angaben aus dessen Umfeld Unterstützung für einen Börsengang im kommenden Jahr zugesagt.

"RAG-Chef Werner Müller ist sicher, dass die Bundesregierung die Pläne unterstützt", heißt es in den Kreisen. Finanzkreisen zufolge rechnet das aus der Ruhrkohle AG hervorgegangene und von Ex-Wirtschaftsminister Müller geführte Unternehmen dabei mit Erlösen von rund fünf Mrd. Euro. Mit dem Geld wolle sich die RAG mit Hilfe des Bundes aus der Haftung für Risiken aus dem Bergbaugeschäft befreien.

Müller habe die Pläne für den Börsengang mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Bundesfinanzminister Hans Eichel (alle SPD) abgesprochen. Auf Grundlage der Gespräche sei er sich der Unterstützung der Regierung sicher. Eine RAG-Sprecherin hatte am Samstag angekündigt, der Mischkonzern wolle bis zum Sommer 2006, voraussichtlich im Mai, an die Börse gehen. Die Anteilseigner E.ON, ThyssenKrupp und RWE hätten das Vorhaben bereits grundsätzlich gebilligt. Aus Branchenkreisen verlautete, E.ON-Chef Wulf Bernotat habe Zustimmung signalisiert, allerdings sei das Thema den Gremien des Konzerns noch nicht formell zur Abstimmung vorgelegt worden. Ein E.ON-Sprecher sagte, bislang liege noch keine offizielle Zustimmung des Düsseldorfer Energiekonzerns vor.

In Regierungskreisen hatte es geheißen, das Kanzleramt und Wirtschaftsminister Clement stünden hinter den Plänen. Auch die IG BCE unterstütze das Vorhaben. Es gebe aber sowohl in der SPD als auch beim grünen Koalitionspartner auch Bedenken. Die Bundesregierung habe sich in ihrer Gesamtheit noch keine abschließende Meinung gebildet. Hintergrund sind die Überlegungen der RAG, mit Hilfe der Einnahmen aus dem Börsengang aus der Risikohaftung für den Bergbau auszusteigen und diese mit Hilfe eines milliardenschweren Fonds beim Bund zu verankern. NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) begrüßte die Pläne bereits mit den Worten: "Das ist eine gute Nachricht."


In den Finanzkreisen hieß es, das Geld aus dem Börsengang solle dem Bund zufließen, der damit einen Fonds zur Deckung künftiger Verbindlichkeiten aus dem Kohlebergbau anlegen solle. Bei den Risiken geht es unter anderem um etwaige Kosten aus Altzechen oder die Pensionsverpflichtungen der Kohlekumpel. Die drei Anteilseigner der RAG könnten sich damit ebenso wie die RAG selbst möglichen Risiken aus dem Bergbau entziehen. Für den Bergbau herrsche andererseits Planungssicherheit.

Anteilseigner steigen für symbolischen Preis aus


Nach den derzeitigen gesetzlichen Regelungen muss die RAG für aus dem Bergbau entstehende Risiken haften. Die Anteilseigner, die wegen der Haftungen und der öffentlichen Subventionen für den Bergbau keine Dividenden für ihre Beteiligung erhalten, seien bereit, ihre Anteile für den symbolischen Preis von einem Euro in ein noch zu gründendes Bankenkonsortium einzubringen, hieß es in Finanzkreisen. Dieses solle dann den Börsengang (IPO) über die Bühne bringen. In Finanzkreisen wurde vermutet, der IPO könnte zwei Tranchen umfassen. In einem ersten Schritt würden wohl im kommenden Sommer weniger als 50 Prozent des Konzerns angeboten. Werde dieses Angebot gut am Markt aufgenommen, sei mit einer weiteren Tranche zu einem späteren Zeitpunkt zu rechnen.

Das Asset-Vermögen der RAG aus dem so genannten weißen Bereich ohne die DSK (Deutsche Steinkohle), in der der Bergbau gebündelt ist, wird den Kreisen zufolge von RAG-Chef Müller auf rund neun Mrd. Euro geschätzt. Unter anderem hält die RAG in diesem Bereich Anteile am Spezialchemiekonzern Degussa und ist über die Tochter Steag im Stromgeschäft sowie auch im Immobiliengeschäft tätig. Insgesamt erzielt sie einen Umsatz von rund 21 Mrd. Euro - nur noch rund 15 Prozent davon stammten aus dem Kohle-Bereich.

Planungssicherheit für Bergbau geschaffen

Mit der Übertragung der Risiken auf einen Fonds der Bundesregierung sei die RAG für den Kapitalmarkt frei von Haftungsrisiken, hieß es weiter. Die RAG werde weiter die unternehmerische Führung über die DSK haben, könne dann aber ohne Haftung agieren. Defizite aus dem Bergbau müssten künftig voraussichtlich nur noch mit maximal 100 Mio. Euro von der RAG ausgeglichen werden. Mit dieser Sicherheit im Rücken könne sich die RAG besseren Zugang zu bisher nicht verfügbaren Kapitalquellen erschließen und weiteres Wachstum finanzieren. So könnte die RAG etwa Anleihen begeben. Bislang wurde das von den nur schwer kalkulierbaren Haftungsrisiken erschwert. Müller hat der früheren Ruhrkohle AG einen weitgehenden Umbau verordnet: Er hatte sich von Beteiligungen mit einem Umsatz von rund 4,5 Mrd. Euro getrennt. Nun will sich der Konzern auf die vier Säulen Energie, Chemie, Immobilien und Bergbau konzentrieren.

Quelle: ntv.de