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Freitag, 07. Dezember 2007

Frischer Wind bei "EMMA": Schwarzer geht - Ortgies kommt

Nach fast 31 Jahren gibt Alice Schwarzer die Chefredaktion ihrer feministischen Zeitschrift "Emma" ab. Ihre Nachfolgerin wird Lisa Ortgies (41), wie die Zeitschrift am Freitag mitteilte. Schwarzer, die am vergangenen Montag 65 Jahre alt wurde, bleibt aber Verlegerin und Herausgeberin von "Emma", die sie Anfang 1977 gegründet hatte. Die Karriere der bekanntesten deutschen Frauenrechtlerin ist mit "Emma" untrennbar verbunden. Das Magazin hatte sie auch einst ihr "Kind" genannt.

Den Angaben zufolge will die Kölner Publizistin für die Zeitschrift auch weiter redaktionell und als Autorin tätig bleiben. "Sie freut sich jedoch, nach 31 Jahren die alltägliche Verantwortung der Chefredaktion in andere Hände legen zu können", hieß es. Ortgies, die verheiratet ist und zwei Kinder hat, werde in ihrer neuen Funktion Mitte Januar in Berlin vorgestellt. Sie bringe als Absolventin der Henri-Nannen-Schule sowie als Autorin und Moderatorin - zur Zeit bei "frau tv" im WDR - eine reiche Erfahrung aus Print und Fernsehen mit.

Der WDR teilte mit, eine weitere Moderation von "frau tv" sei mit der neuen Funktion von Ortgies nicht vereinbar. Daher werde eine neue Moderatorin gesucht.

Frauenrechtlerin Schwarzer kämpft seit vier Jahrzehnten für ihre Geschlechtsgenossinnen und hat dabei mit der kampfbereiten "Emma" viele Tabus gebrochen. Zu den Themen gehörten Abtreibung, Kampagnen gegen Pornografie, Prostitution, Diätwahn oder die Unterdrückung muslimischer Frauen. Als die Publizistin mit dem Blatt an den Start gegangen war, sei ihr viel Häme und Aggression entgegen geschlagen, erinnert sich Schwarzer im Jubiläumsband "Emma. Die ersten 30 Jahre", der vor einigen Wochen erschienen ist. Die ledige und kinderlose Schriftstellerin kann sich mit zahlreichen Auszeichnungen schmücken: Sie ist "Journalistin des Jahres" (2005), hat den Staatspreis NRW erhalten und ist auch Bundesverdienstkreuz-Trägerin

Rund 57 Prozent aller Deutschen kennen ihre Zeitschrift. Die verkaufte Auflage ging 2006 allerdings auf knapp 40 000 Stück (2001: 53.000) zurück. Schwarzer hatte schon zuvor in einem Fernsehinterview mitgeteilt, dass sie die Chefredaktion des Blattes abgeben wolle, aber noch keinen Namen für die Nachfolge genannt.

Quelle: n-tv.de