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Evolutionärer Tausch Sehen statt Riechen

Menschen haben einen Teil ihres Geruchssinn im Verlauf der Evolution gegen bessere Augen eingetauscht. Das zeigt ein Vergleich der Sinnesorgane von 19 verschiedenen Primatenarten, die der Evolutionsbiologe Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig in der Fachzeitschrift "Public Library of Science/Biology" vorstellt.

Höhere Primaten wie der Mensch haben demnach drei Pigmente zur Wahrnehmung von Farben in den Augen, während viele niedere Arten mit nur zwei Pigmenten auskommen müssen. Dafür ist beim Menschen ein großer Teil jener Gene durch Mutation deaktiviert, die anderen Primaten mit weniger gut ausgebildeten Augen einen schärferen Geruchssinn verleiht.

Diese Gene sind als Olfactory Receptor-Gene (OR) bekannt. Sie helfen, Gerüche über Rezeptoren aufzunehmen, die auf der Oberfläche von Nervenzellen in der Nase sitzen. Pääbo und sein Kollege Yoav Gilad wiesen mit Erbgutanalysen nach, dass 60 Prozent dieser OR-Gene beim Menschen außer Funktion gesetzt sind. Dagegen sind bei Hunden und Mäusen nur 20 Prozent der OR-Gene im Erbgut inaktiv und bei Menschenaffen rund 30 Prozent.

"Es sieht so aus als schwinde die Verlässlichkeit des Geruchssinns mit der Ausbildung anderer Sinne wie dem Hören und Sehen", heißt es in dem Bericht. Pääbo und Gilad zufolge hat sich der Geruchssinn bei verschiedenen Affenarten unabhängig voneinander zurückgebildet. Gleichzeitig entwickelte sich bei diesen die "trichromatische" Farbwahrnehmung.

Während Menschen und Menschenaffen drei als Opsin bekannte Pigmente zur besseren Wahrnehmung von Farben in ihren Augen haben, fanden die Forscher bei anderen Affenarten überwiegend nur zwei Opsin-Gene. Das lasse die Schlussfolgerung zu, dass sich die trichromatische Farbwahrnehmung erstmals vor ungefähr 23 Mio. Jahren bei Vorfahren der Menschenaffen entwickelte. Das Leipziger Team glaubt, dass die bessere Farbwahrnehmung einer Umstellung der Nahrungssuche gedient haben könnte.

Quelle: ntv.de