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Klein aber oho Slowakei wird Auto-Macht

Die Auto-Industrie in der Slowakei boomt. Nach Volkswagen und dem koreanischen Konzern Kia-Hyundai hat nun der französische Autobauer PSA Peugeot Citron angekündigt, in Kürze die Serienproduktion des Peugeot 207 in Trnava aufzunehmen. Und weil die Vorbereitungen dafür so gut gelaufen sind, plant der Konzern auch schon den Bau eines zweiten Automobilwerks in der Stadt.

Mit diesen beiden Werken sowie einem in Bau befindlichen von Kia-Hyundai in Zilina (Nordslowakei) und einem schon seit mehr als zehn Jahren erfolgreichen Volkswagen-Standort bei Bratislava befindet sich die kleine Slowakei auf dem Sprung zur Automobil-Großmacht.

Mit Produktionslinien von drei internationalen Automobilkonzernen und rund 150 bereits fertigen oder im Bau befindlichen Zulieferbetrieben wird das Land ab 2007 eine große Automobilnation. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl wird die slowakische Autoproduktion dann die höchste der Welt sein. Mehr als eine Million Autos sollen in einem Land mit nur 5,4 Mio. Einwohnern jedes Jahr vom Band rollen.

Pionier der slowakischen Automobilindustrie war Volkswagen. Die Firma kam schon 1992 ins Land, als sie den kleinen staatlichen Autoproduzenten BAZ am Stadtrand von Bratislava übernahm und in den folgenden Jahren stetig expandierte. Inzwischen gehört die Slowakei zu den Vorzeigestandorten des Konzerns und beschäftigt hier über 8000 Mitarbeiter. Im Dezember kündigte Volkswagen Slovakia an, im Jahr 2006 die Ausfuhr fertiger Autos um 25 Prozent erhöhen zu wollen. Schon jetzt hat die Firma allein einen Anteil von 20 Prozent an den gesamten Exporten der Slowakei.

In der nur 50 km von Bratislava entfernten westslowakischen Stadt Trnava will PSA Peugeot Citron in seinem soeben fertig gestellten und kurz vor Beginn der Serienproduktion stehenden Automobilwerk künftig rund 300000 Autos pro Jahr produzieren. Im Dezember gab der französische Konzern überraschend bekannt, dass er in der historischen Universitäts- und Bischofsstadt bis 2010 zusätzlich noch ein zweites Automobilwerk errichten wolle. Darin sollen jährlich weitere 150.000 Autos eines neuen Typs produziert werden. Die Beschäftigtenzahl des französischen Autokonzerns in Trnava würde damit auf über 5.000 steigen.

Im nordslowakischen Zilina wiederum errichtet Kia-Hyundai sein Automobilwerk, das von der Jahreswende 2006/2007 an etwa 200.000 Autos produzieren soll. Direkt sollen in dem Werk 2.400 Arbeitskräfte beschäftigt werden.

Der Beschäftigungseffekt für die Zulieferindustrie wird rund um die drei Automobilstädte Bratislava, Trnava und Zilina ein Vielfaches der direkten Beschäftigung betragen. Fast wöchentlich konnte das slowakische Wirtschaftsministerium in den vergangenen Monaten neue Investitionen verschiedener internationaler Zulieferfirmen über das ganze Land verstreut ankündigen. Allein die deutsche Firma Getrag Ford Transmissions will rund 300 Mio. Euro in ein Getriebe- Produktionswerk in der Ostslowakei investieren.

Schon jetzt ist die Automobilindustrie in der Slowakei der mit Abstand größte Produktionszweig. Im Jahr 2004 erreichte sie nach einem Bericht der slowakischen Wirtschaftszeitung "Trend" mit einem Umsatz von 310 Mrd. Kronen (8,4 Mrd. Euro) einen Anteil von 25 Prozent an der gesamten Industrieproduktion des Landes. Rund 55.000 Mitarbeiter beschäftigt der Automobilsektor schon jetzt. Im Jahr 2007 sollen es rund doppelt so viele sein.

Eine Abhängigkeit von dieser Branche befürchten nur wenige. Die Regierung sieht die Automobilindustrie laut Ministerpräsident Mikulas Dzurinda als "Motor der slowakischen Wirtschaft", die auch die anderen Branchen in Schwung bringen werde. Damit sei dann, so hofft die Regierung, dank begleitender Investitionen in wissensorientierte Produktionen die Basis für qualifiziertere Exportleistungen geschaffen, bevor die Investorenkarawane für klassische Billiglohnarbeiten weiter nach Osten abwandert.

Von Christoph Thanei, dpa

Quelle: ntv.de