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Buchtipp der Woche Soziotop DDR

Einmal wöchentlich, immer am Freitag, gibt Literaturagentin Michaela Röll von der Agentur Eggers & Landwehr an dieser Stelle ihren "Buchtipp der Woche".

Die kleine Candida wächst in einem Land auf, das jünger ist als sie, in einer Kleinstadt an der Saale. Sie darf nicht "Mensch!" und "verrückt" sagen, muss alle Leute im Haus grüßen und bekommt keinen Hund. Eine fast heile Kinderwelt, mit ein paar Knieschrammen freilich.

So zum Beispiel, als sie an einem Sonntag im Juni nicht aus dem Internat nach Hause darf! Candida hat schon immer gerne gemalt, und als die Zeit an der Oberschule plötzlich um ist, bewirbt sie sich für die Kunstakademie, denn "auf keinen Fall möchte ich später hart arbeiten müssen ".

Mit Seminaren, Kalle & Siegfried, Ernteeinsätzen und dem Verlust lieber Menschen vergehen die Jahre. Der Traum von Hans, dem Maler, bleibt – und mit ihm die Angst, dass er eines der Bilder, die sie liebt, übermalt.

Mit einem Blick voll staunender Neugier bringt Ricarda Bethke dem Leser das Geflecht von Jungsein im DDR-Alltag, Anpassung, Verdrängung und Rebellion nahe, ohne dass dies den Text beherrscht – "Aber wenn ich doch immer zeichnen kann und malen und dichten, wie soll ich da jemals ganz unglücklich sein? Nie!"

So ist ein Buch entstanden, in dem zu lesen ist, wie in einer Kiste mit getrockneten Veilchensträußen, Faschingsfächern, Seidenschals und alten Fotos herumzukramen.

Ricarda Bethke, "Die anders rote Fahne", Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2003, 284 Seiten, 8,90 Euro.

Quelle: ntv.de

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