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Spezialeffekte aus Berlin Spielerei mit Licht

von Susanne Schmitt

Andy und Larry Wachowski lesen am Drehort dicke Bücher, so wird es gerne berichtet. Die Autoren des Science-Fiction-Spektakels "Matrix Reloaded" unterhalten sich in den Drehpausen am liebsten über philosophische Themen. Die Macher der Spezialeffekte im Film müssen sich aber mehr mit mathematischen Algorithmen auskennen als mit geisteswissenschaftlichen Leitsätzen.

Ein Teil der außergewöhnlichen Spezialeffekte des Kultfilmes "Matrix Reloaded" kommt aus Deutschland. 30 Spezialisten, Mathematiker, Physiker und Ingenieure der Firma "mental images" aus Berlin haben die Technik für die visuellen Effekte des Filmes geliefert. Und sind dafür auch schon ausgezeichnet worden. Am 1. März haben die Berliner den so genannten "Technik-Oscar" - genauer gesagt den "Technical Achievement Award" der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" - für ihre Leistungen bekommen.

Die Software "mental ray" für die so genannte Bildsynthese oder englisch "Rendering" gilt weltweit als das beste Programm, um im Computer Bilder zu erzeugen, die der Wirklichkeit so nahe kommen, dass kein Unterschied mehr zu erkennen ist. Konkret beschäftigen sich die Berliner damit, die Wirkung des Lichts in der Realität im Rechner nach zu bilden. Das gelingt ihnen so gut, dass sie mittlerweile zum Weltmarktführer aufgestiegen sind und in der Filmindustrie dem Platzhirschen Pixar aus Hollywood das Revier streitig machen.

Pixar ist selbst aber auch Filmproduzent. "So kommen die großen Studios lieber zu uns, als dass sie zu einem Konkurrenten gehen", sagt Ludwig von Reiche, Vice-President bei Mental Images in Berlin. Das Programm "mental ray" wurde in bereits in über 120 Filmen eingesetzt, darunter im jüngsten "Harry Potter", in "Spiderman" und in "Star Wars: Episode II". Damit sei man auf dem Weg, die führende Rendering-Software zu werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Die Firma Mental Images wurde 1986 von Rolf Herken in Berlin gegründet. Ursprünglich wurde die Technologie für die Konstruktion in der Auto-Industrie entwickelt. Autohersteller oder Flugzeugbauer nutzen die Software aus Berlin in ihren CAD-Programmen. Die Entwickler in den Autofirmen wollen genau wissen, wie ihre Produkte unter realistischen Lichtverhältnissen aussehen. Etwa die Hälfte des Umsatzes der Berliner Firma kommt aus der Industrie. Doch mehr wirtschaftliche Daten gibt es nicht. Die Tüftler in Berlin lassen sich dabei fast genauso wenig in die Karten schauen wie die Brüder Wachowski. Die geben gar keine Interviews.

Quelle: ntv.de