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Kofferbombe wird rekonstruiert Sprengsatz auf Durchreise?

Der Bombenkoffer im Dresdner Hauptbahnhof war möglicherweise für einen anderen Ort bestimmt. Wie die "Sächsische Zeitung" unter Berufung auf Sicherheitsexperten der Bahn berichtet, könnte der Koffer auch auf Transit durch Sachsen gewesen sein. Es sei nicht auszuschließen, dass der Koffer in Dresden hängen geblieben sei, hieß es. Nach Angaben mehrerer Zeitungen enthielt der Koffer ein Kilogramm hochexplosives TNT.

Der Sprecher des sächsischen Landeskriminalamtes, Rico Müller, wollte dazu keine Stellung nehmen. "Wir stehen derzeit vor einer Vielzahl von Einzelstücken, die wir zusammenpuzzeln", sagte Müller. Auch ob die Bombe in dem Koffer scharf war, sei noch nicht geklärt. Auf die Frage, ob der am Freitag entdeckte Sprengsatz hätte gezündet werden können, konzentrierten sich jetzt die Ermittler. Dazu werde die Kofferbombe rekonstruiert.

Außerdem würden Hinweise aus der Bevölkerung ausgewertet. Mit Ergebnissen sei erst in einigen Tagen zu rechnen. Das LKA hatte zur Untersuchung eine 16-köpfige Sonderkommission "Bahnhof" gebildet. In ihr arbeiten auch Beamte des Bundeskriminalamtes mit.

Generalbundesanwalt prüft Übernahme der Ermittlungen

Der sächsische Innenminister Horst Rasch schließt nicht aus, dass der Bombenkoffer von Terroristen auf den Bahnsteig gelegt worden sein könnte. "Wir werden vorsorglich diesen Aspekt in Betracht ziehen müssen." Unterdessen prüft Generalbundesanwalt Kay Nehm die Übernahme der Ermittlungen. Ein entsprechendes Verfahren sei aber noch nicht eingeleitet worden, hieß es in Karlsruhe.

Nach Raschs Angaben stammten die Materialien des Sprengsatzes sowohl aus Deutschland als auch aus dem Ausland. Ein Bekennerschreiben gab es jedoch nicht. Fest steht, dass zum Zeitpunkt des Kofferfunds die Videoüberwachung am Hauptbahnhof nicht aufgezeichnet wurde. Bahnsprecher Volker Knauer begründete das mit dem Datenschutz. Nur der BGS dürfe die Daten zur Beweissicherung aufzeichnen. Innenminister Rasch bedauerte, dass kein Videomaterial vorliegt.

Die Kofferbombe war am Freitagabend auf einem Bahnsteig entdeckt worden. Der Hauptbahnhof wurde mitten im Pfingstreiseverkehr evakuiert und für sieben Stunden gesperrt. Wäre die Bombe bei der Einfahrt eines Zuges explodiert, hätte es ein Blutbad gegeben.

Terrorangst auf Bahnhöfen

Am Dienstag dann hatten herrenlose Koffer in einem Dresdner Hotel und auf dem Kölner Bahnhof Polizeieinsätze ausgelöst. Die Gepäckstücke entpuppten sich jedoch als harmlos. In Dresden wurden 269 Hotelgäste evakuiert, auf dem Kölner Bahnhof waren 200 Züge von den Sperrungen betroffen.

Harmlos waren auch ein Koffer und eine Tragetasche, die am Mittwoch an einem Imbiss-Stand auf dem Münchner Hauptbahnhof niemandem gehörten. Die Polizei gab bereits nach 35 Minuten wieder Entwarnung.

Polizei: Gefahr nicht unterschätzen

Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnte davor, die Gefahr auf Bahnhöfen und in Zügen zu unterschätzen. "Terroranschläge auf öffentliche Orte, wie auf Bahnhöfe, sind wegen der physischen und der psychologischen Wirkung auf die Bevölkerung in Deutschland keinesfalls ausgeschlossen", sagte der Vorsitzende des Fachverbandes Bundespolizei bei der Gewerkschaft, Hans-Joachim Zastrow.

Quelle: ntv.de