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Kirch bleiben zehn Tage Springer hofft auf Ringier

Der Ringkampf um Kirchs 40-Prozent-Anteil am Springer Verlag geht in die nächste Runde. Nachdem der geplante Einstieg der Essener Verlagsgruppe WAZ bei dem Berliner Verlag nach dem Widerstand von Anteilseignern zunächst gescheitert ist, wittert jetzt das Schweizer Verlagshaus Ringier seine Chance.

Zeitungsberichten zufolge planen Springer und Ringier eine Überkreuzbeteiligung. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, will Ringier das 40,3-prozentige Springer-Paket des Medienunternehmers Leo Kirch von der Deutschen Bank übernehmen. Das Kirch-Aktienpaket dient der Deutschen Bank als Sicherheit für einen Kredit über 720 Mio. Euro an den Münchner Medienunternehmer. Später soll ein Teil der Aktien an der Börse platziert werden, wobei Ringier eine Sperrminorität von 25,1 Prozent der Papiere behalten würde. Offen ist bislang, wie hoch eine Beteiligung des größten deutschen Zeitungshauses in der Schweiz ausfallen könnte.

Rechtsstreit zwischen Deutscher Bank und Kirch ohne Ergebnis

Allerdings hängen die Pläne im großen Maße von Leo Kirchs Entgegenkommen ab. Obwohl es sich bei den Springer-Aktien um vinkulierte Papiere handelt, der Springer-Aufsichtsrat also einem Verkauf zustimmen muss, will Kirch darüber mitbestimmen, wer bei Springer einsteigt. Heute wollte der Medienunternehmer vor dem Münchner Landgericht gegenüber der Deutschen Bank durchsetzen, bis Ende September Zeit zu bekommen, einen eigenen Käufer für seinen Anteil an dem Berliner Verlag zu finden.

Der Streit ging allerdings ebenso ohne konkrete Ergebnisse zu Ende wie die Verhandlungen beider Parteien am Tag zuvor, als sich das Kreditinstitut mit Kirch außergerichtlicht über die Verwertung des Springer-Pakets einigen wollte. Kirch setzte bei diesen Gesprächen aber offenbar auf die Drohung, die Verwertung des Pakets durch weitere juristische Schritte zu behindern.

Die Entscheidung des Gerichts solle nun am 20. September verkündet werden, sagte die Richterin am Landgericht heute. Die Deutsche Bank kündigte nach der Verhandlung an, bis dahin aber nicht über die 40-prozentige Beteiligung Kirchs zu verfügen. Kirch bleiben also noch zehn Tage, selbst einen Käufer zu finden.

Sollte das Geschäft zwischen Ringier und Springer trotz alledem zustande kommen, fordert der Schweizer Medienunternehmer weitreichenden Einfluss in dem Berliner Verlag. Aus verhandlungsnahen Kreisen verlautete, neben einem Sitz im Aufsichtsrat fordere der Schweizer auch ein Vorstandsressort. Vor allem Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner sei dies übel aufgestoßen. Da Ringier jedoch als Favorit von Friede Springer gilt, signalisierte Döpfner nunmehr grundsätzliche Bereitschaft - schon allein, um einen möglichen Einstieg der WAZ zu verhindern.

WAZ kein Thema mehr

Bei dem Essener Medienkonzern rechnet man sich allerdings keine großen Einstiegsmöglichkeiten mehr aus. "Es ist zwar die Aussage noch richtig, dass ein Einstieg bei Springer in Betracht gezogen werden könnte", erklärte die Funke-Familien-Gesellschaft, die 50 Prozent an der WAZ hält.

Bei der Funke-Gruppe lehne jedoch die Mehrheit der drei Beteiligten, die Familien Grotkamp, Schubries und Holthoff, den Einstieg ab. Die Gesellschafter Anneliese Brost und Erich Schumann hätten sich noch nicht offiziell geäußert. Die WAZ-Gruppe wird zu gleichen Teilen von den Familiengesellschaften der ehemaligen WAZ-Gründer Brost und Funke beherrscht. Grund für die ablehnende Haltung der Gesellschafter ist der befürchtete Streit mit dem Springer-Verlag. Verleger-Witwe Friede Springer hat für den Fall eines Einstieges der Essener Klagen angedroht.

Quelle: n-tv.de

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