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Donnerstag, 04. Juli 2002

Nach dem Bahn-Kauf: Stinnes-Chef wechselt zu E.ON

Die Übername des Logistik-Unternehmens Stinnes durch die Deutsche Bahn hat personnelle Folgen. Der derzeitige Stinnes-Chef Wulf Bernotat soll ab Mai 2003 neuer Vorstandschef des Mutterkonzerns E.on werden. Der Führungswechsel, der vom Aufsichtsratspräsidiums vorgeschlagen wurde, werde vom Aufsichtsrat am 3. September diesen Jahres auf der nächsten Sitzung beschlossen, teilte der Energieversorger mit. Die derzeitigen Vorstandschefs Ulrich Hartmann und Wilhelm Simson würden am 30. April 2003 ihre Vorstandsposten abgeben, hieß es weiter.

Am Mittwochabend hat der E.ON-Aufsichtsrat der Abgabe der Stinnes-Beteiligung an die Deutsche Bahn zugestimmt. Beide Unternehmen haben hierzu eine vertragliche Vereinbarung unterzeichnet.

Demnach wird die Bahn allen Stinnes-Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot zu 32,75 Euro je Aktie unterbreiten. Im Rahmen dieses Angebots wird E.ON ihre Stinnes-Beteiligung vollständig an die Bahn abgeben und erhält dafür rund 1,6 Mrd. Euro und verzeichnet einen Buchgewinn von rund 600 Mio. Euro.

Finanzieren will die Bahn den Kauf mit 600 Mio. Euro aus der eigenen Kasse und der Begebung von Unternehmensanleihen. Die Bahn übernimmt den Angaben zufolge auch Stinnes-Schulden in Höhe von 1,1 Mrd. Euro. Das Geschäft muss noch vom Verkehrsministerium, der EU-Kommission und den Kartellbehörden in Kanada genehmigt werden. Die Sparten Chemie- und Werkstoff-Logistik, die ebenfalls zum Stinnes-Konzern gehören, will die Bahn nach der Übernahme verkaufen. Damit sollen Einnahmen von 700 bis 800 Mio. Euro erzielt werden.

Norbert Hansen, Deutsche Bahn-Aufsichtsratsmitglied und Chef der Eisenbahnergewerkschaft Transnet kommentierte die bevorstehende Übernahme: " Die Bahn verlässt damit ihr eingeschränktes Carrier-Dasein und begibt sich auf den Weg zum Logistik-Komplettanbieter". Durch den Zusammenschluss der beiden Unternehmen entsteht ein Konzern mit 250.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 28 Mrd. Euro Umsatz.

Die Bahn verfolgt mit dem Kauf von Stinnes ihr Ziel weiter, zu einem Komplettanbieter für den Gütertransport zu werden. Kernunternehmen von Stinnes ist das Speditionsunternehmen Schenker, das vor mehr als zehn Jahren noch zur Bahn gehörte.

Quelle: n-tv.de