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Montag, 30. September 2002

Entführungsfälle: Täter werden meist gefasst

Die Entführung von Menschen zur Erpressung von Lösegeld zählt zu den spektakulärsten, zugleich aber seltensten Verbrechen in Deutschland. Das erste Opfer in der Bundesrepublik war 1958 der siebenjährige Joachim Goehner in Stuttgart. Ein Hilfsarbeiter tötete das Kind und forderte dann 15.000 DM Lösegeld. Er wurde gefasst. Hier einige der bekanntesten weiteren Fälle:

29. November 1971:
"Aldi"-Besitzer Theodor Albrecht wird vom Hof seiner Unternehmenszentrale in Herten entführt. Nach Zahlung von sieben Mio. DM wird er zwei Wochen später freigelassen. Als Täter werden ein Rechtsanwalt und ein Tresorknacker verurteilt.

13. November 1973:
Die Tochter des "Wienerwald "-Besitzers Friedrich Jahn, Evelyn, wird in München verschleppt und für drei Mio. DM Lösegeld zwei Tage später freigelassen. Die Entführer werden gefasst.

19. Oktober 1976:
Millionärssohn Gernot Egolf wird in Homburg entführt und stirbt in einem Westwall-Bunker an Unterkühlung. Ein Täter wird zu lebenslanger Haft verurteilt, der andere begeht Selbstmord.

16. Dezember 1976:
Der Industriellensohn Richard Oetker wird bei München entführt und 48 Stunden später gegen Zahlung von 21 Mio. DM schwer verletzt freigelassen. Entführer Dieter Zlof verbüßt 15 Jahre Haft und wird 1997 wegen Geldwäsche erneut verurteilt.

21. Januar 1985:
Ein Enkel des Verlegers Axel Caesar Springer, Axel Sven, wird aus einem Internat in der Schweiz entführt. Das geforderte Lösegeld (15 Mio. DM) wird nicht gezahlt. Der Junge wird freigelassen. Die vier Täter werden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

23. Dezember 1987:
Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker zahlt 9,6 Mio. DM für die Freilassung seiner Kinder Lars und Meike. Erst 1999 werden die Entführer zu jeweils dreizehneinhalb Jahren Haft verurteilt.

16. Januar 1991:
Der sechsjährige Peter Fiszman und eine Schulfreundin werden in Köln verschleppt und drei Tage später freigelassen. Die zwei Täter, Rainer und Sven Körppen, werden 1998 verurteilt, nachdem sie 1996 Peters Onkel, den Frankfurter Kaufmann Jakub Fiszman, entführt und ermordet haben.

1. September 1993:
Der Sohn eines Offenbacher Fleischgroßhändlers wird entführt und eine Woche später nach Zahlung von zwei Mio. DM freigelassen. Als mutmaßliche Täter werden später ebenfalls die Körppens ermittelt.

25. März 1996:
Der Millionenerbe Jan Philipp Reemtsma wird in Hamburg verschleppt und erst am 26. April gegen rund 30 Mio. DM Lösegeld freigelassen. Der Drahtzieher Thomas Drach wird in Argentinien verhaftet und im März 2001 zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Sein wichtigster Komplize erhält zehn Jahre und sechs Monate.

1. Oktober 1996:
Der Frankfurter Kaufmann Jakub Fiszman wird verschleppt und ermordet, obwohl die Familie vier Mio. DM Lösegeld zahlt. Als Täter werden die Körppens überführt. Rainer Körppen wird im Oktober 1998 zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt, sein Sohn Sven zu zwölf Jahren Haft.

14. September 1997:
Der 20-jährige Matthias Hintze wird verschleppt und verhungert in einem Erdschacht. Als Täter werden zwei Russen verhaftet und 1999 zu je vierzehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Im November 2001 wird ihre Strafe auf 15 Jahre aufgestockt, nachdem herauskam, dass die beiden 1997 auch einen Computerhändler entführt und vermutlich getötet hatten.

14./15. Juni 1998:
Der Unternehmersohn Bodo Janssen wird in Hamburg nach einer Woche aus der Gewalt seiner Entführer befreit. 1999 werden drei Täter zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, der größte Teil des Lösegelds von drei Mio. DM wird sichergestellt.(AP)

Quelle: n-tv.de