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Baubranche in der Krise Talsohle erst 2006 erreicht

Der Überlebenskampf des angeschlagenen Baukonzerns Walter Bau wirft ein Schlaglicht auf die jahrelange Krise der gesamten Branche. Angesichts der schwachen Binnenkonjunktur, einem ruinösen Preiskampf und schlechter Zahlungsmoral rechnet die Bauindustrie damit, dass sie 2005 das elfte Jahr in Folge Umsatzrückgänge verzeichnet.

Erst für 2006 wird mit einem Ende der Talsohle gerechnet. Doch der Verlust von Arbeitsplätzen, Firmenpleiten, der Druck zu Zusammenschlüssen und der Trend zu Investitionen im Ausland dürften Experten zufolge auch danach weitergehen. "Diese Trends werden die nächsten Jahre über anhalten, auch wenn das Tempo des Arbeitsplatzabbaus allmählich abflacht", prognostiziert Andreas Geyer vom mittelständisch geprägten Zentralverband des deutschen Baugewerbes (ZDB). "Nur wer sich spezialisiert und auf seine Stärken besinnt, wird überleben."

Als Hauptursache für die Dauerkrise macht die Branche die anhaltende Konjunkturschwäche aus. Die Großen der Branche haben sich der schlechten Baukonjunktur im Inland zum Teil durch verstärkte Engagements im Ausland entzogen. So erwirtschaften der Branchenprimus Hochtief und der zweitgrößte deutsche Baukonzern Bilfinger Berger längst erhebliche Umsatzanteile im Ausland. Sie sind zudem in andere Sparten wie das Gebäude-Management oder in den Betrieb von privat mitfinanzierten Straßen, Flughäfen, Brücken oder Tunneln eingestiegen.

Walter Bau dagegen hat nach Einschätzung vieler Experten zu lange auf das klassische Baugeschäft im Inland gesetzt und hatte zudem eine oft unglückliche Hand bei Zukäufen. "Hochtief und Bilfiger Berger haben in den vergangenen Jahren ihre Geschäftsmodelle geändert. Sie haben ihre Kapazitäten in Deutschland verringert und blicken bei Ausschreibungen nicht mehr in erster Linie auf das Auftragsvolumen, sondern auf den Return. Durch diese Strategie wurden sie auch in Deutschland wieder rentierlich", sagt Analyst Ralf Dörper von der WestLB.

Falls nun - wie aus Finanzkreisen zu hören - die Baugruppe Strabag bei Walter Bau einsteigen sollte, könnte daraus ein schlagkräftiger Baukonzern entstehen, zu dem auch die Stuttgarter Züblin-Gruppe hinzustoßen könnte. An Züblin hält Walter Bau bereits die Mehrheit. Bei einem Zusammenschluss würde diese Gruppe Bilfinger Berger von Platz zwei verdrängen.

Ein beschleunigter Personalabbau wäre die Folge. "Die Baukonjunktur steckt in einer Dauerrezession. Da wäre es für die gesamte Branche besser, wenn Kapazitäten aus dem Markt gehen würden", urteilt WestLB-Experte Dörper. Bei einem Einstieg der Strabag bei Walter Bau rechne er zwar nicht mit einer sofortigen Verringerung der Kapazitäten, "doch sicherlich in einem zweiten Schritt".

Schrumpfende Umsätze – massiver Stellenabbau

2004 schrumpften die Umsätze im Bauhauptgewerbe um 4,5 Prozent. Für 2005 gehen die Bauverbände von einem weiteren Rückgang zwischen 1,0 und 3,5 Prozent aus. Zwischen 25.000 und 32.000 der derzeit 767.000 Stellen dürften den Prognosen zufolge deshalb verloren gehen. Damit hätte sich die Zahl der Beschäftigten seit dem Beginn der Baukrise Mitte der 90er Jahr fast halbiert.

In den Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung hatte ein Bauboom zu einer enormen Ausweitung der Kapazitäten geführt, die nun vielfach brach liegen. Im vergangenen Jahr waren die Bauinvestitionen real um 2,5 Prozent gesunken, hinzu kamen Sonderfaktoren wie der von der Deutschen Bahn im Sommer verkündete Investitionsstopp. Harsche Kritik aus der Baubranche zog zuletzt die Bahn auf sich wegen ihrer Zahlungsmoral. Sie stehe bei Baufirmen mit rund 600 Millionen Euro in der Kreide, kritisierte jüngst der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Michael Knipper. Allein Walter Bau schulde die Bahn einen hohen dreistelligen Millionenbetrag.

Quelle: n-tv.de