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Fünf statt acht Milliarden Telekom reduziert Bond-Volumen

(Reuters) - Die hochverschuldete Deutsche Telekom hat Bankenkreisen zufolge das Volumen ihrer geplanten Anleihe auf fünf Mrd. Euro reduziert und bietet Investoren wegen der trüben Marktstimmung zusätzliche Anreize.

Ursprünglich wollte sich die Telekom bereits in der vergangenen Woche bis zu acht Mrd. Euro am Kapitalmarkt leihen, hatte die Transaktion jedoch in Folge der Marktturbulenzen bis nach den am Mittwoch anstehenden Telekom-Quartalsergebnissen verschoben. Die Rendite des Papiers werde sich automatisch um 0,5 Prozentpunkte erhöhen, falls die führenden Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's beide die Kreditwürdigkeit der Deutschen Telekom herunterstufen sollten, hieß es am Montag in den Kreisen.

"Wir haben den Kupon-Anstieg (Step-up) wegen der Volatilität hinzugefügt", sagte ein mit der Transaktion vertrauter Banker. Zunächst sei das Papier ohne diese Klausel geplant gewesen. "Aber die Realität ist, dass sich die Einschätzung der Telekombranche schnell zum Schlechteren gewendet hat." Erst vor wenigen Wochen hatten die führenden Ratingagenturen das langfristige Kreditrating der Telekom auf "BBB+" beziehungsweise "Baa1" mit jeweils stabilem Ausblick heruntergestuft. Die mit rund 67 Mrd. Euro verschuldete Telekom muss dadurch automatisch jährlich rund 100 bis 120 Mio. Euro mehr Zinsen zahlen.

Den Angaben zufolge besteht die Anleihe aus einer 30-jährigen Dollar-Tranche sowie zwei Euro-Tranchen. Ein fünfjähriges Euro-Papier werde mit 240 bis 250 Basispunkten über den Mid-Swap-Sätzen rentieren. Damit bietet die Telekom ihren Investoren 2,6 bis 2,7 Prozent mehr Rendite als vergleichbare deutsche Staatsanleihen - am Montagabend entsprach dies einer Rendite von rund 7,5 Prozent. Ein zehnjähriges Euro-Papier soll eine Rendite von etwa 8,2 Prozent abwerfen und damit rund drei Prozent mehr als Staatstitel (270 bis 280 Basispunkte über Swap-Mitte). Die 30-jährige Dollar-Tranche soll sogar 3,7 bis 3,8 Prozentpunkte über US-Staatsanleihen rentieren. Abhängig von den Marktbedingungen will die Telekom nach Informationen aus den beteiligten Banken im Anschluss an die Ergebnisveröffentlichung über die Emission entscheiden.

Internationale Rating-Agenturen hatten kurz vor dem ursprünglich geplanten Telekom-Emissionstermin die Anleihen des US-Telefonkonzerns WorldCom auf "Ramsch"-Status (Junk) herabgestuft und damit auch die Anleihen vieler anderer Telekomfirmen schwer belastet. Als Junk- oder Ramsch-Bonds werden Anleihen bezeichnet, bei denen der Anleihenschuldner eine zweifelhafte Bonität aufweist. Anleger zeigten sich zunehmend besorgt über die hohe Verschuldung des Sektors und werden daher auch für die neue Anleihe der Deutschen Telekom vergleichsweise hohe Renditen fordern.

Konsortialführer für die Transaktion der Deutschen Telekom, die über die niederländische Telekom-Tochter International Finance B.V. abgewickelt werden soll, sind die Deutsche Bank, JP Morgan Chase und Schroder Salomon Smith Barney. Die Telekom hatte in der Vergangenheit erklärt, der Bond diene zur Erhaltung der Liquiditätsreserven und führe nicht zu einer Erhöhung der Netto-Verschuldung.

Quelle: n-tv.de