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Das "Kleine Schwarze" "Tiffany"-Kleid unterm Hammer

Eine Szene, die es – zumindest für ein Kleid – eigentlich nur einmal im "Leben" geben kann: Ärmellos und geradlinig, vorne so einfach wie ein T-Shirt, am Rücken so raffiniert und kurvig, dass es einem dem Atem raubt – so betrat das Givenchy-Kleid 1961 die Szene.

Getragen von Audrey Hepburn, gefilmt von Blake Edwards, gesehen und stilbildend für Millionen von Frauen auch noch Jahrzehnte später: Das "kleine Schwarze" – an der zierlichen und mit heutigen Magermodels durchaus kompatiblen Miss Hepburn - trat seinen Siegeszug an.

"Es lag unweigerlich guter Geschmack in der Schlichtheit ihrer Kleidung, was dafür ihr selbst so viel Glanz verlieh, " so schwärmte Schriftsteller Truman Capote, dem dieses Meisterwerk eigentlich zu verdanken ist, trug es doch sein It-Girl Holly Golightly in "Frühstück bei Tiffany".

Heute kommt der Inbegriff geschmackvollen Glamours inklusive der ellenbogenlangen Handschuhe bei Christie's in London unter den Hammer - mindestens 50.000 bis 70.000 britische Pfund soll das bodenlange Haben-wollen-Stück bringen.

Noch diverse andere Andenken für Filmfans werden an diesem Dienstag in London versteigert, darunter u.a. Schusswaffen von James Bond, wie beispielsweise Sean Connerys Walther PP aus "Dr. No", und außerdem so kitschige Kunstwerke wie der Über-Geschmack-lässt-sich-nicht-streiten-oder-doch?-Rentier-Pulli aus dem ersten "Bridget Jones"-Film, getragen von Rene Zellweger (in einer durchaus passablen Größe, da die zarte Schauspielerin für diese Rolle ja immerhin 20 Pfund zugenommen hatte). Doch von keinem Gegenstand wird in dem Auktionshaus so viel erwartet wie von diesem schwarzen Objekt der Begierde, dem "Tiffany"-Fummel.

Der Couturier Hubert de Givenchy, der fortan in lebenslanger Symbiose an Hepburns Seite zu ihrem Lieblingsdesigner avancierte, hatte ihr das gute Stück aus schwerem italienischen Satin auf den zarten Leib geschneidert - natürlich in Schwarz, der Lieblingsfarbe der Großstadteinwohnerin damals wie heute. Umso farbenfroher sollte das Leben sein, das sich diese Single-Frauen leisteten – und sei dies auch nur ein Blick durch die Fensterscheibe des Schmuckkaufhauses Tiffany. Es soll Frauen geben, die in New York zu Tiffany gehen, ein wenig enttäuscht sind von der Inneneinrichtung und ob der großen Erwartungen, die jahrelang geschürt wurden, eine Kleinigkeit kaufen (besonders beliebt: Schlüsselanhänger, Return-Armband oder Kartenspiel) und die typisch Tiffany-blaue Papiertüte ein Leben lang hüten wie ihren Augapfel.

Der Besuch beim Fifth-Avenue-Juwelier konnte und kann jedenfalls noch immer Sehnsüchte und Melancholie schüren und kurieren und spätestens genau dort möchte man seinen Frosch an die Wand schmeißen, auf dass er endlich zu einem Prinzen mutiere.

Wir schweifen jedoch ab: Bis jetzt befand sich diese elegante, auf das Wesentliche reduzierte, stilbildende Ikone der Modegeschichte im Besitz von Dominique Lapierre - einem französischen Autor, der früher mit Mutter Teresa zusammen Gutes tat. Der Erlös bei Christie's soll komplett seiner Stiftung "City of Joy Aid" zugeführt werden, die sich um Kinder in Indien kümmert.

Dieser Aspekt würde Audrey Hepburn, die bis an ihr Lebensende als Patin für UNICEF tätig war, gefallen. Zwar hatte sie auch eine Riesen-Leidenschaft für Mode, besonders für Haute-Couture, aber die Tatsache, dass mit diesem Kleid nun den Ärmsten der Armen geholfen werden kann, hätte sie sicher in Entzücken versetzt.

Vergessen wir jedoch nicht, dass auch anderes gerade noch bei Christie's in der Auslage lag, wenn auch in New York: Ein handgeschriebener Song von Paul McCartney zum Beispiel. Die Handschrift des Ex-Beatle ist Sammlern und Fans offenbar eine Menge Geld wert. Wie das Auktionshaus Christie's in New York bekannt gab, brachte der handgeschriebene Text von McCartneys Song "Maxwell's Silver Hammer" (wie passend für eine Auktion) aus dem Jahr 1968 192.000 Dollar (ca. 144. 000 Euro) ein.

Eine Gitarre von Jimi Hendrix, Marke Fender Stratocaster, erzielte stolze 168.000 Dollar, fast das Doppelte des Schätzwertes. Ein Notizbuch mit handgeschriebenen Liedern von Reggae-Star Bob Marley wechselte für 72.000 Dollar den Besitzer, während ein Gedicht ("The American Night") aus der Feder von Doors-Sänger Jim Morrison über 50.000 Dollar einbrachte.

Nochmal zurück nach London: Dort war es schier unmöglich, einen Aufsatz von der inzwischen schlüpferlosen, frühen Britney Spears unter dem Hammer zubringen: Keiner wollte ihn haben. Komisch

Von Sabine Oelmann

Quelle: ntv.de