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"Eine Nation unter Gott" US-Treueeid verfassungswidrig

Der amerikanische Treueeid - "Ich schwöre Treue auf die Flagge der USA und auf die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle" - dieser Treueeid, der täglich in den meisten Schulen in den USA abgelegt wird, ist verfassungswidrig.

Das jedenfalls entschied das Bundesberufungsgericht in San Francisco. Präsident George W. Bush nannte das Urteil "lächerlich", religiöse Gruppen und Politiker äußerten sich entsetzt.

Die Richter argumentierten, dass der Treueschwur mit den Worten "eine Nation unter Gott" die Trennung zwischen Kirche und Staat verletze. Atheisten oder Menschen anderer Glaubensrichtungen könnten den strittigen Bestandteil des Schwurs als Bekräftigung eines Monotheismus verstehen. Direkt betroffen sind von dem Urteil die neun westlichen Staaten Alaska, Arizona, Kalifornien, Hawaii, Idaho, Montana, Nevada, Oregon und Washington.

Sollte das Urteil Bestand haben, hätte das weit reichende Folgen: Die Unabhängigkeitserklärung der USA verweist auf Gott, der Kongress beginnt seine Sitzungen mit einem Gebet und auf jeder Münze und jedem Dollarschein ist "In God We Trust" aufgedruckt.

Darauf verwies auch Präsidentensprecher Ari Fleischer. Er teilte mit, das Justizministerium berate zurzeit über rechtliche Möglichkeiten gegen das Urteil. Auch die Demokraten zeigten sich über das Urteil verärgert. Senatsführer Tom Daschle schloss ebenfalls rechtliche Schritte gegen das Urteil nicht aus. Experten wiesen darauf hin, dass das Bundesberufungsgericht in San Francisco zu den Gerichten gehört, die am häufigsten von höheren Instanzen überstimmt werden.

Der Wortlaut des Eides stammt aus dem Jahr 1892. 1942 schrieb der Kongress den Schwur als patriotisches Bekenntnis fest, zwölf Jahre später wurde der Bestandteil "unter Gott" eingefügt, um - so der damalige Präsident Dwight Eisenhower - die "Hingabe unserer Nation und unseres Volkes an den Allmächtigen" zu zeigen.

Quelle: ntv.de

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