Archiv

Schlüsselszene vor Golfkrieg USA gaben Saddam grünes Licht

Am 2. August 1990 überfällt der irakische Diktator Saddam Hussein das Emirat Kuwait und beginnt, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen, mit der Besetzung des Landes. Die UN-Resolution 660 des Sicherheitsrats verurteilt den irakischen Einmarsch und fordert einen "sofortigen und bedingungslosen Rückzug" der irakischen Soldaten. Am 17. Januar 1991 - vor genau zwölf Jahren - beginnen die USA und ihre Verbündeten mit massiven Luftangriffen. Es folgt ein 43-tägiger Bombenhagel auf irakische Ziele durch die alliierten Truppen.

Schlüsselszene in Saddams Palast

Eine entscheidende Schlüsselszene in dieser scheinbaren Kriegslogik spielt sich acht Tage vor der Invasion ab: Am 25. Juli 1990 bittet der Diktator die amerikanische Botschafterin in Irak, April Glaspie, zu sich in den Präsidentenpalast, der wenig später zerstört wird. In dem Gespräch zwischen den beiden gibt die Amerikanerin dem Diktator zu verstehen, dass sich Amerika aus innerarabischen Konflikten heraushalten werde - so auch zu den "Grenzstreitigkeiten" zwischen Irak und Kuwait. Amerika werde nichts gegen Irak unternehmen. Sie gibt damit grünes Licht für eine Invasion.

Saddams Durst nach Öl

Saddam, finanziell durch den Krieg gegen den Iran angeschlagen, schielt schon länger auf die Ölquellen des kleinen Emirats am Golf. Hussein wirft den Kuwaitis vor, die von der Opec festgelegten Öl-Fördermengen zu überschreiten. Obwohl Saddam bis Mitte Juli 100 000 Soldaten an der Grenze zu Kuwait zusammenzieht - zunächst kein Widerspruch der USA.

Die historischen Sätze im Originalton

"We have no opinion on your Arab-Arab conflicts, such as your dispute with Kuwait. Secretary Baker has directed me to emphasize the instruction, first given to Iraq in the 1960s that the Kuwait issue is not associated with America."

Saddam wünsche sich bessere Beziehungen zu Amerika, meldet die Botschafterin nach dem Treffen. Acht Tage später annektiert Hussein Kuwait und erklärt später das besetzte Emirat zur "19.Provinz des Irak".

Dumme Diplomatie?

Später beteuert die Botschafterin, sie habe nicht erwartet, dass Saddam ganz Kuwait annektieren würde. Sie wird von den amerikanischen Medien zum Sündenbock gestempelt. Tatsächlich hatte die Mittelostexpertin nur "völlig korrekt die offizielle Position ihrer Regierung" wiedergegeben, wie "Die Zeit" schreibt. Saddam rechnet damit, dass seine Aggression vom ehemaligen Waffenfinanzier Amerika durchgelassen wird. So wie er ungestraft Senfgas gegen die iranische Armee einsetzen konnte. Von 1980 bis 1988 wird Saddam Hussein schon von USA gegen die Mullahs aus Teheran unterstützt.

In einer Fernsehdebatte zur Präsidentschaftswahl sagt der Kandidat Ross Perot 1992, dass Amerika bereit gewesen sei, Hussein den Norden Kuwaits zu überlassen. Bush Senior bezeichnete dies als "absurd".

Quelle: ntv.de