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Politisches Armdrücken USA vor der Pleite

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(Foto: REUTERS)

In den USA bleiben tatsächlich die Behörden geschlossen, weil kein Geld mehr da ist, die Angestellten zu bezahlen und die Dienste zu finanzieren. Die größte Volkswirtschaft der Welt, die wichtigste zumal, steht ohne Haushalt da, blank. Was für ein Krampf!

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Uwe Zimmer, Meridio

Was in den USA geschieht ist ja nicht das sinnvolle Ringen unterschiedlicher politischer Lager über den besten Weg für ein Land. Es ist die profilneurotische Suche nach der besten Ausgangssituation für kommende Wahlen. Ein Armdrücken ohne Sinn, aber auf dem Rücken der Bevölkerung.

Denn hier entsteht echter Schaden, wenn Löhne nicht gezahlt und Verpflichtungen nicht eingehalten werden können. Die politische Klasse der USA handelt hier verantwortungslos und zeigt sich nur auf den eigenen – politischen – Vorteil bedacht. Italienische Verhältnisse in den USA sind nicht das, was man von der wichtigsten Wirtschaftsnation der Welt erwarten darf.

Interessanterweise hielt sich die Erregung an den Finanzmärkten in engen Grenzen. Das Gold, immer gerne als Krisenindikator genutzt, verbilligte sich am Tag des Shutdowns sogar um 30 Dollar, die Märkte zuckten nur kurz. Das liegt zum einen daran, dass das Theaterstück ja nicht zum ersten Mal gegeben wird. Und bislang ist es ja immer gut gegangen. Hier wirft vielmehr das wirkliche Erreichen der Schuldenobergrenze in den USA seine Schatten voraus, Mitte Oktober ist das soweit. Haben sich die Parteien bis dahin nicht auf die Anhebung der Schuldengrenze geeinigt, droht auch den Märkten Ungemach. Denn dann kann die Regierung der USA keine neuen Staatsanleihen begeben. Da neues Geld aber notwendig ist, um die alten Anleihen zurück und die Zinsen dafür zu zahlen, müssten Anleihegläubiger zittern.

Nun ja, es wird wohl nicht so weit kommen. Die maßgeblichen Spieler – und solche sind es – werden sich zusammenraufen und das Spiel geht weiter. Vielleicht haben sich die Koordinaten etwas verschoben, vielleicht hat der ein oder andere seine Position gestärkt, manch einer wird als Verlierer dastehen. Geändert haben wird sich aber nichts. Und das ist der eigentlich kritische Punkt: die Schuldenkrise, durch das aufgeführte Drama überhöht und in den Vordergrund gebracht, ist nicht zu lösen.

Die Schulden der USA sind so groß, dass sie niemals wieder zurückgezahlt werden können. Selbst wenn die Notenbanken weltweit daran arbeiten, die Schuldenlast der Staaten zu minimieren. Und das gilt ja nicht nur für die USA. Gleiches ist in Europa und in Japan bereits zu sehen, manche Schwellenländer schlagen den gleichen Weg ein.

Was aber bedeutet das konkret für die Märkte, für Anleger, für das investierte Kapital, für mein Geld? Erst einmal gar nichts. Die Liquidität der Notenbanken treibt die Märkte, die Haushalts-Krise in den USA wird irgendwann zunächst durch Erhöhung der Schuldenobergrenze beigelegt, dann sind sogar Extra-Gewinne möglich. In Europa läuft das Schuldenspiel ebenfalls weiter, genau wie die Märkte. Business as usual also, so lange das eben noch geht. Aber das wird noch eine ganze Weile der Fall sein.

Der Autor Uwe Zimmer ist bankunabhängiger Vermögensverwalter bei Meridio und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.

Quelle: n-tv.de