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Fusion geplatzt United Airlines sagt Übernahme ab

Die größte Übernahme in der Geschichte des Luftverkehrs steht vor dem Aus. Die US-Fluggesellschaft United Airlines verhandelt derzeit mit dem Konkurrenten US Airways über einen Abbruch der geplanten Fusion. Dies bestätigte die United-Mutter UAL Corporation am Montag. Grund seien die strengen Auflagen der Wettbewerbsbehörden, verlautete bereits am Sonntag (Ortszeit) aus Verhandlungskreisen.

Weiter hieß es, die zu UAL Corporation gehörende United Airlines habe den Entschluss in der letzten Woche gefasst und US Airways am Freitag darüber informiert. "Wir glauben immer noch, dass die Fusion der richtige Weg für uns gewesen wäre", zitiert die "Washington Post" einen nicht genannten United-Manager. Den Bedenken der Behörden hätte United aber nicht begegnen können. "Deshalb haben wir beschlossen uns aus dem Geschäft zurückzuziehen."

Bereits im Mai 2000 hatte die zweitgrößte Fluglinie 4,4 Mrd. Dollar für US Airways geboten. Als Zugeständnis hatte United den amerikanischen Kartellbehörden angeboten, Vermögenswerte von US Airways in Höhe von 1,2 Mrd. Dollar an American Airlines zu verkaufen. Somit wollte United Airlines wettbewerbsrechtliche Bedenken ausräumen. Denn wäre die Fusion zustande gekommen, hätte die neue Fluggesellschaft in der Hauptstadt Washington einen Marktanteil von 45 Prozent erreicht, da US Airways vor allem an der Ostküste stark vertreten ist. Für das Justizministerium war dieser Kompromiss offenbar nicht ausreichend.

Zukunft von US Airways ungewiss

Expertenschätzungen zufolge könnte allerdings US Airways trotz der geplatzten Fusion zu einem Verkauf von Unternehmesanteilen gezwungen sein, um wieder aus den roten Zahlen herauszukommen. Aufgrund des harten Wettbwerbs auf dem amerikanischen Flugmarkts und eines Rückgangs lukrativer Geschäftsreisen war die Fluglinie, die lediglich über ein regionales Streckennetz verfügt, in die Verlustzone geraten. Im ersten Quartal hatte die sechstgrößte Fluggesellschaft ein Minus von 164 Mio. Dollar eingefahren. Im Frühjahr hatte US-Airways-Chef Stephen Wolf angekündigt, dass der Fluglinie der Ruin drohe, wenn die Übernahme durch United Airlines platzen würde.

Die schlechten Zahlen gelten mit als Grund für den Kursverfall, den die US-Airways-Aktie seit Ankündigung der Übernahme erlitten hat. Zudem kamen die schlechten Chancen für eine Genehmigung der Wettbewerbsbehörden. Am Montag gaben die Papiere nochmals um 12 Prozent nach. Die UAL-Aktien fielen dagegen kaum.

Konsolidierungswelle vorerst gestoppt

Der Übernahmeversuch von United Airlines war in Branchenkreisen als Anfang einer erwarteten Konsolidierungswelle im Luftverkehr gewertet worden. Mit dem Zusammenschluss wäre die größte Flugesellschaft der Welt entstanden. Rund 50 Prozent des amerikanischen Flugmarktes wären von dem Konzern UAL Corporation und dem Marktführer AMR, der Mutter von American Airlines, kontrolliert worden. Experten halten nach der Absage weitere Fusionsversuche großer Fluggesellschaften für unwahrscheinlich.

Erst Mitte März hatten die US-Behörden der Übernahme von TWA durch die American-Airlines zugestimmt - bislang die einzige Übernahme im Luftverkehr, die genehmigt wurde. Der Zusammenschluss kam allerdings nur zustande, da TWA sonst zur Geschäftsaufgabe gezwungen worden wäre. Durch die Übernahme hatte American Airlines United als Branchenführer abgelöst.

Quelle: ntv.de