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Schlussstrich nach sechs Jahren Urteil gegen Schmidt

Als im Herbst 2001 das Desaster um die SchmidtBank ans Licht kam, konnten es auch Branchenkenner kaum glauben: Ausgerechnet Bankier Karl Gerhard Schmidt, der in der Szene als die Seriosität in Person galt, sollte für einen der schlimmsten Abstürze in der deutschen Bankengeschichte verantwortlich sein? Knapp sechs Jahre nach dem Zusammenbruch des Hofer Geldhauses, das nur durch eine mehr als eine Milliarden Euro teure Rettungsaktion der deutschen Großbanken vor der Pleite gerettet werden konnte, urteilt das Landgericht Hof am 22. August darüber, ob Schmidt strafrechtlich belangt werden kann.

Rund zehn Monate hat der Prozess gegen den früheren Bankier gedauert, doppelt so lang wie von der Justiz ursprünglich geplant. Immer neue Beweisanträge kamen auf den Tisch und sorgten dafür, dass sich das Verfahren in die Länge zog. Die Staatsanwaltschaft ist nun davon überzeugt, dass Schmidt sich des Betrugs in 232 Fällen schuldig gemacht hat. Er soll im Herbst 2001 noch Aktien seiner Bank im Wert von 2,5 Mio. Euro als Altersvorsorge an Kleinanleger verkauft haben, obwohl er von der Schieflage seiner Bank wusste. Außerdem wirft ihm die Staatsanwaltschaft einen Fall von Untreue in Höhe von 31,5 Mio. Euro vor. Der Anklagevertreter hat drei Jahre Haft für den 72-Jährigen gefordert. Die Verteidigung will dagegen einen Freispruch, da Schmidt von dem Aktienverkauf nichts gewusst habe.

Der Angeklagte selbst hat die Vorwürfe immer bestritten. "Ich kam nicht im Entferntesten auf die Idee, dass der Fortbestand der SchmidtBank gefährdet ist", sagte er zum Prozessauftakt am 19. Oktober 2006. Schmidt versicherte stets, er habe niemandem schaden und nur Gutes tun wollen - eine Beteuerung, die ihm in seiner Heimat viele Menschen glauben. Schmidt galt als der "König von Hof", wie ihn die Wochenzeitung "Die Zeit" einmal titulierte - als großzügiger Bankier, der aus regionalpolitischer Verantwortung auch dort noch mit Krediten half, wo andere Geldinstitute längst abgewinkt hatten.

Auch als Mäzen trat der Kunst- und Musikliebhaber häufig und gerne hervor. Bis heute firmiert er offiziell als Vorsitzender der "Freunde von Bayreuth"; bei den Hauptversammlungen der Mäzene der Bayreuther Festspiele lässt er sich allerdings seit Jahren entschuldigen. In der strukturschwachen Region Nordostoberfranken war Schmidt für viele Firmen und Kleinunternehmer die letzte Hoffnung. Der im März gestorbene Paul Wieandt, der nach dem Zusammenbruch der SchmidtBank als Sanierer nach Hof gerufen worden war, hatte in dem Prozess als Zeuge ausgesagt: "Es gab Kreditvorgänge, die waren unfassbar."

Neben dem hohen Wertberichtigungsbedarf wurde die Privatbank damals auch von der Krise der "New Economy" getroffen. Sie war Hauptaktionär des von Karl Matthäus Schmidt - Sohn von Karl Gerhard Schmidt - gegründeten Online-Brokers Consors, der zeitweise ein Lieblingskind des Neuen Marktes war. Dann jedoch stürzte der Börsenkurs ab. Consors wurde später von der französischen Großbank BNP Paribas übernommen. Wie immer das Gericht über Schmidt urteilen wird - der Zusammenbruch seiner Bank hat in der Region tiefe Spuren hinterlassen. Die 1828 gegründete SchmidtBank hörte auf zu existieren. Das Filialgeschäft wurde von der Commerzbank übernommen.

Von Stephan Maurer, dpa

Quelle: n-tv.de