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UMTS-Netztechnik Viag Interkom setzt auf Nokia

(Reuters) - Der kleinste Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland, Viag Interkom, wird seine Netztechnik für die dritte Mobilfunkgeneration UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) von Nokia beziehen und damit dem Konkurrenten Siemens einen Korb geben.

Der amtierende Vorsitzende der Geschäftsführung von Viag Interkom, Keith Cornell, sagte am Dienstag in München, man habe sich aus technischen und kaufmännischen Gesichtspunkten sowie wegen des Preises für die Nokia-Offerte entschieden. Der fünfjährige Liefervertrag hat Angaben aus Branchenkreisen zufolge ein Volumen von 2,5 Mrd. DM. Den Kreisen zufolge enthält der Vertrag Elemente eines Lieferantenkredits und sieht hohe Vertragsstrafen für den Fall vor, dass die derzeit noch in der Entwicklung steckenden UMTS-Mobilfunkgeräte nicht zum geplanten Netzstart im Jahr 2003 verfügbar sind.

Viag hatte seine Entscheidung über den Netzausrüster unter anderem von der inzwischen mit der Deutschen Telekom abgeschlossenen Partnerschaft abhängig gemacht. Die Telekom-Mobilfunktochter T-Mobil wird von Siemens, Nokia und Nortel beliefert. Durch den Preisverfall in der Branche kann Viag Interkom, eine 100-prozentige Tochter von British Telecom, nun die Netz-Technik nach Angaben aus Branchenkreisen deutlich billiger als ursprünglich geplant einkaufen. Interims-Chef Cornell sagte: "Wir sind mit dem Preis sehr zufrieden."

Nokia ist bei Viag Interkom Hauptausrüster des gegenwärtig in Betrieb befindlichen GSM-Mobilfunknetzes und hat den schnellen Datenübertragungsstandard GPRS im Viag-Netz installiert. Gegen die Siemens-Offerte sprach nach Cornells Worten auch, dass man mit der Technik des Ausrüsters keine Erfahrung habe und technische Probleme infolge unterschiedlicher Hersteller ausschließen wolle. Zu den Aussichten für das künftige UMTS-Mobilfunkgeschäft äußerte sich Cornell optimistisch. Die Partnerschaft mit T-Mobil, die Kooperationen bei der Nutzung der Netzwerktechnik und eine gegenseitige Netz-Mitbenutzung (Roaming) vorsieht, sei "nahezu einzigartig" in Europa. Durch die Partnerschaft erlange man schnell eine sehr hohe Netzabdeckung und könne daher frühzeitig eine nahezu flächendeckende UMTS-Versorgung sicherstellen.

Deutschland sei der größte Markt in Europa und ermögliche deshalb Profitabilität für sechs Betreiber. Allerdings sei die Ausgangsbasis für den neu auf den Markt strebenden Mobilfunkanbieter Group 3G mit den Anteilseignern Sonera und Telefonica "schwierig". Durch UMTS werde das Erreichen der Gewinnschwelle bei Viag Interkom in Folge der anfallenden Investitionen in die UMTS-Lizenz, die Netzinfrastruktur und neue Mobilfunkdienste zeitlich nach hinten verschoben. Zudem benötige man weitere Finanzmittel von der Muttergesellschaft, um das UMTS-Geschäft aufzubauen. Viag Interkom soll als Teil der internationalen Mobilfunksparte BT Wireless gegen Jahresende von British Telecom abgespalten werden. Cornell führt Viag Interkom seit dem Ausscheiden des langjährigen Chefs Maximilian Ardelt in Personalunion mit seinem Posten als Europa-Chef von BT Wireless.

Die europäischen Beteiligungen umfassen die 100-prozentigen Tochtergesellschaften Viag Interkom, Telfort (Niederlande), Digifone (Irland) und Cellnet (Grossbritannien). Ein neuer Vorsitzender der Geschäftsführung soll Cornell zufolge bis zum Jahresanfang 2002 gefunden werden. Ein wichtiges Kriterium bei der Stellenbesetzung sei, dass der künftige Chef Erfahrungen mit dem deutschen Markt habe, aber nicht notwendigerweise die deutsche Nationalität, sagte der BT-Manager.

Quelle: n-tv.de