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Freitag, 26. März 2004

80er-Jahre-Frisuren sind im Trend: "Vokuhila" und Mireille Mathieu

Wer vor kurzem den deutschen Eurovision Song Contest im Fernsehen verfolgt hat, könnte den Verdacht gehegt haben, mit einer Zeitmaschine in den 80er Jahren gelandet zu sein. Moderatorin Sarah Kuttner trug ein schulterfreies "Abba"-Top und Mini.

Und die Sängerinnen Tina Frank und Mieze von der Berliner Indie-Band Mia führten vor, wie sich frau in diesem Sommer frisiert: Getragen werden Varianten des "Vokuhila" (vorne kurz, hinten lang) oder des Rundschnitts, wie ihn früher die französische Sängerin Mireille Mathieu und eine ganze Generation deutscher Schülerinnen hatten.

Die Retrowelle ist auch bei den Frisuren nicht zu stoppen. "Man sieht einfach, dass sich alles wiederholt", sagt der Berliner Szene- Friseur Jonny Pazzo (46), der in den 80er Jahren für den Look von Sängerin Nena verantwortlich war. Den Mathieu-Rundschnitt, der sich kappenartig um den Kopf schmiegte, habe Vidal Sassoon kreiert, erzählt Pazzo. "Das lassen viele machen, allerdings nur die Front." Hinten werden die Haare etwas dünner geschnitten als früher; Pazzo spricht von einer "Mischung" und einem "Bruch".

Die 80er-Jahre-Frisuren, denen bereits diverse Bücher und Internetseiten gewidmet sind wie www.fiese-scheitel.de, kehren in die deutsche Mode quasi als postmoderne Variante zurück. Sprich: Nicht ganz so fies und mit ein bisschen Ironie getragen. Sängerin Nena ist dabei das Paradebeispiel für das Revival. Mit ihrer stufig geschnittenen Mähne, Rolling-Stones-T-Shirt und unrasierten Achseln war sie der Inbegriff der 80er Jahre. Ihr großes Comeback feierte sie fast 20 Jahre später an der Seite von Kim Wilde in ähnlicher Optik und mit einer modernen Version des "Vokuhila". "Das steht ihr auch sehr gut", findet Pazzo.

Während die Trendsetter in Berlin in Sachen Retro schon wieder weiter sind - nun startet die Zeitreise in die 50er Jahre - erfasst die 80er-Jahre-Welle den Rest der Republik. "Es geht in Richtung Nena", sagt Ex-Friseurweltmeister Klaus-Dieter Kaiser (45) aus Lüneburg. Heute wird die Frisur aber sehr weich gestaltet, ganz flach und fransig. Erst wird das Haar gewaschen, geschnitten und gefönt - dann kommt der sehr wichtige Feinschnitt. Auch bei den Männern sind die 80er Jahre gefragt. "Für mich ist das ein Edel- Proll-Haarschnitt", so Kaiser. Das Ganze sei der "große Trend für diesen Sommer".

In Berlin hat man sich an die "Vokuhila" und Stulpen tragenden Studentinnen in Friedrichshain, Mitte und Prenzlauer Berg bereits gewöhnt. Timo Scherer (27), Moderedakteur beim trendigen Magazin "Deutsch", glaubt, dass das 80er-Jahre-Revival an der Spree angefangen hat. "Ich bin sicher, in Berlin findet man da 'ne große Ausprägung", sagt er. Er schwärmt von den "kleinen modischen Entgleisungen" aus alten Modern-Talking-Zeiten, die in den Berliner Second-Hand-Läden zu finden sind, wie etwa ein weißes, mit Nieten besetztes Lederkleid. Was ja eigentlich auch eine geeignete Garderobe für den Eurovision Song Contest gewesen wäre.

Quelle: n-tv.de