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Trotzkis Geliebte - Stalins Fan Vor 50 Jahren starb Frida Kahlo

Am Anfang ihrer Künstlerlaufbahn stand ein fürchterlicher Verkehrsunfall: Frida Kahlo war gerade 18 Jahre alt, als der Bus, mit dem sie von der Schule nach Hause fuhr, von einer Straßenbahn gerammt wurde und eine Eisenstange ihren Unterleib durchbohrte. Die schweren Verletzungen an Rückgrat, Becken und Bein machten sie zum Krüppel. Doch noch im Krankenbett begann die junge Mexikanerin zu malen. In immer neuen Selbstbildnissen versuchte sie in den folgenden Jahren, ihre nicht endenden Leiden künstlerisch zu verarbeiten. Von Krankheit gezeichnet, fand die Ehefrau des Malers Diego Rivera einen frühen Tod. Vor 50 Jahren, am 13. Juli 1954, starb Frida Kahlo im Alter von 47 Jahren in Mexiko-Stadt.

Auch wenn sie selbst das Jahr 1910 - Ausbruch der mexikanischen Revolution - als Geburtsjahr nannte, wurde Kahlo laut amtlichem Register am 6. Juli 1907 geboren. Ihr Elternhaus, das "Blaue Haus" in Coyoacn im Süden von Mexiko-Stadt, ist heute ein Museum. Dort sind neben ihren Werken auch eine Stalin-Büste und ein unvollendetes Porträt des sowjetischen Ex-Diktators zu sehen. Denn die Künstlerin und ihr Ehemann verstanden sich als Revolutionäre. Zwar hatten sie 1937 Stalins Widersacher Leo Trotzki aufgenommen. Doch nach dessen Ermordung schwenkten sie einfach ins Lager von dessen Gegner um.

Der größte Teil der rund 200 Werke, die Kahlo hinterlassen hat, sind Selbstporträts, deren Qualität schon Pablo Picasso gelobt haben soll. Einige ihrer Bilder erzielen heute Spitzenpreise, doch wurde Kahlo erst viele Jahre nach ihrem Tod international bekannt. Wie die Kunstkritikerin Raquel Tibol (80) erläutert, entdeckten die "Chicanas", die in den USA lebenden Mexikanerinnen, Kahlo in den 70er Jahren. Sie suchten eine Identifikationsfigur. Bald begeisterten sich auch die amerikanischen Feministinnen für diese Frau. Eine von ihnen, die New Yorker Kunsthistorikerin Hayden Herrera, landete 1983 mit einer Kahlo-Biografie einen Bestseller ("Frida Kahlo", Verlag Droemer Knaur).

"Frida faszinierte die Feministinnen aus mehreren Gründen: Sie führte ein offenes Leben, bekannte sich zu ihrer Bisexualität, malte Bilder mit Elementen weiblicher Sexualität und war eine einzigartige Künstlerin", sagt Tibol, die die Kahlo noch persönlich kannte und mit ihr 1953 ein dreitägiges Interview führte.

Viel ist seit damals über die Beziehung zwischen Kahlo und Rivera geschrieben worden. Sie heirateten 1929. "Der Elefant und die Taube", sagten Fridas Eltern wegen des Kontrasts zwischen der zierlichen Frau und dem großen, dicken und 21 Jahre älteren Mann. Diego quälte Frida mit seiner Untreue und schlief mit ihrer Schwester Cristina. Doch auch Frida hatte Affären, darunter eine mit Trotzki. 1939 ließen sich Kahlo und Rivera scheiden - um im Jahr darauf wieder zu heiraten. "Es war eine wirkliche Liebe. Als Frida 1954 starb, brach Diego zusammen und erholte sich bis zu seinem Tod 1957 nicht mehr", erzählt Tibol.

Pünktlich zum Todestag hat jetzt die Kahlo-Nichte Isolda Pinedo (75) ein Buch mit dem Titel "Frida Intima" geschrieben, das am 14. Juli erscheinen soll. Darin deutet sie an, dass Rivera seiner unter schlimmen Schmerzen leidenden Frau Sterbehilfe geleistet habe. Diese These ist allerdings nicht neu. "Es gibt keine Anhaltspunkte für eine mögliche Euthanasie", sagt die Kahlo-Biografin Martha Zamora.

Auf jeden Fall wird Kahlo auch über ihren 50. Todestag hinaus die Menschen beschäftigen. Über manche ihrer Werke werden die Meinungen weiter auseinander gehen, etwa über diejenigen, auf denen bluttriefende Organe Kahlos Gebrechen illustrieren. Tibol wiederum meint, dass das literarische Talent der Malerin bisher verkannt worden sei. Sie hat eine Briefsammlung herausgegeben, die jetzt auch auf Deutsch erschienen ist (Frida Kahlo: "Jetzt, wo Du mich verlässt, liebe ich Dich mehr denn je", Schirmer Graf Verlag). Und auch das nächste Kahlo-Jubiläum - der 100. Geburtstag in drei Jahren - ist nicht mehr weit.

(Klaus Blume, dpa)

Quelle: ntv.de

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