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Rettung gescheitert Walter Bau pleite

Nach erfolglosen Verhandlungen über ein finanzielles Rettungskonzept hat das angeschlagene Bauunternehmen Walter Bau einen Insolvenzantrag gestellt. Das bestätigte das Amtsgericht Augsburg. Das Verfahren sei am Vormittag eröffnet worden, hieß es. Vorläufiger Insolvenzverwalter sei der Augsburger Anwalt Werner Schneider.

Der Insolvenzantrag gilt nur für die Walter Bau Holding. Die Tochterfirmen sind nicht betroffen, das operative Geschäft soll zunächst planmäßig weitergeführt werden. In Gläubigerkreisen werden Folgepleiten aber nicht ausgeschlossen.

Wochenlanger Kampf

Das Unternehmen hatte bereits am Morgen angekündigt, einen Insolvenzantrag stellen zu wollen. Trotz großer Anstrengungen auf Unternehmens- und Finanziererseite sei es nicht gelungen, die Liquidität der Walter Bau-AG sicherzustellen, teilte das Bauunternehmen in einer Ad hoc-Meldung mit.

Ende vergangener Woche hatte es noch so ausgesehen, als sei Walter Bau gerettet. Nach dem Abschluss des neuen Finanzierungskonzepts wurde ein kompletter Zusammenschluss mit der Kölner Strabag-Gruppe erwartet. Auch der Stuttgarter Baukonzern Züblin, an dem Walter Bau die Mehrheit der Anteile hält, sollte mit einbezogen werden. Durch den Zusammenschluss sollte ein neuer schlagkräftiger Baukonzern entstehen, der nach Hochtief die Nummer zwei im Land gewesen wäre. Um die Forderung vieler Gläubigerbanken zu erfüllen, war Walter-Bau-Gründer und Großaktionär Ignaz Walter am Montag vom Vorsitz des Aufsichtsrates zurückgetreten.

Plötzliche Kehrtwende

Am Montag waren die Verhandlungen mit den Banken über ein Sanierungskonzept jedoch gescheitert. Einige Finanzinstitute hätten Nachforderungen gestellt und unannehmbare Auflagen formuliert, erklärte das Unternehmen die jetzige Kehrtwende. Dem Rettungsplan hätten alle 27 Banken und Kreditversicherer zustimmen müssen. Nach Angaben aus Finanzkreisen hatte vor allem die holländische Großbank ABN Amro sehr weitgehende Nachforderungen gestellt, die selbst von Poolführer Deutsche Bank als überraschend und schwer zu erfüllen eingeschätzt wurden. Presseberichten zufolge hätten einige Banken zudem gefordert, dass sich Firmengründer Ignaz Walter finanziell an der Sanierung beteiligt.

Bei ABN Amro in Frankfurt war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Presseberichten zufolge soll die Bank gemeinsam mit der Bankgesellschaft Berlin auf ein weiteres Gutachten über die Sanierungsfähigkeit bestanden haben, weil sich der Eindruck verstärkt hatte, dass der von Walter eingeräumte Liquiditätsengpass größer war als ursprünglich gedacht. Bei den Verhandlungen am Montag habe sich zum dem bislang veranschlagten Rahmen für eine Zwischenfinanzierung von rund 150 Mio Euro ein zusätzliches Loch von 50 Mio bis 100 Mio Euro ergeben, berichten Frankfurter Finanzkreise. Mehrere Banken aus dem Pool der 27 Institute seien daher nicht bereit gewesen "dem schlechten Geld noch gutes hinterher zu werfen".

Zudem habe die Entwicklung der vergangenen Wochen mit den langen Verhandlungen der Finanzinstitute dem Geschäftsbetrieb massiv geschadet, wodurch sich die Liquiditätslage weiter verschlechtert habe. Das Unternehmen deutete an, dass die Arbeit an laufenden Bauprojekten behindert wurde und offenbar auch erhoffte Aufträge nicht wie geplant eingegangen sind. Viele Lieferanten hatten zuletzt auf Vorkasse bestanden.

Angst um die Arbeitsplätze

Walter Bau beschäftigt in der Gruppe mehr als 9.000 Mitarbeiter, davon etwa die Hälfte in der AG. Das letztliche Scheitern der Rettungsbemühungen nach Wochen der Verhandlung erinnert an die Pleite des Frankfurter Baukonzerns Philipp Holzmann vor knapp drei Jahren. Auch bei dem damals zweitgrößten deutschen Baukonzern hatten einige Banken die Rettungsbemühungen in letzter Minute scheitern lassen.

In dem nun gestellten Insolvenzantrag sieht Walter Bau die letzte Chance, wesentliche Teile des Konzerns und die dazugehörigen Arbeitsplätze zu erhalten. Durch den Insolvenzantrag dürfte der Fortgang der Arbeiten auf vielen Baustellen jedoch zunächst noch stärker ins Stocken geraten. Viele Großprojekte seien aber bei operativen Töchtern angesiedelt, die von der Insolvenz nicht betroffen seien, erklärte Walter Bau. In Gläubigerkreisen wird nun mit einer Zerschlagung gerechnet. Die Tochtergesellschaften des Baukonzerns seien von den Banken den Kreisen zufolge als "rettungsfähig" eingestuft worden. Daher sei davon auszugehen, dass der Insolvenzverwalter voraussichtlich die Tochterunternehmen einzeln verwerten und so den Baukonzern aufteilen werde. Dadurch könnte womöglich ein großer Teil der Arbeitsplätze gerettet werden.

Quelle: n-tv.de

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