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Umsonst arbeiten! Was Ludwig Braun so fordert...

Er wolle "nicht nur Fensterreden halten", stellte Ludwig Braun klar, als er im Februar 2001 Vorsitzender des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) wurde. Ob ihm das bisher gelungen ist, hängt wohl vom Standpunkt des Betrachters ab. Die Gewerkschaften bringt der gelernte Bankkaufmann und Vorsitzende des Familienunternehmens B. Braun AG immer wieder auf die Palme. Hier eine kleine Auswahl von Forderungen, mit denen Braun die vergangenen zwei Jahre die Republik beglückte:

April 2001: Braun spricht sich gegenüber dem Bremer "Kurier am Sonntag" für harte Sanktionen gegen jüngere Arbeitslose aus. "Jemand unter 40 kann jede Arbeit annehmen, die ihm angeboten wird." Wer dazu nicht bereit sei, müsse deutlich weniger Leistungen erhalten. Der DIHK-Präsident fordert außerdem, die Arbeitslosen- und Sozialhilfe an das Alter zu koppeln. Junge Menschen sollen weniger erhalten.

Oktober 2001: Braun will die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche. Diese sei aus wirtschaftlichen Gründen notwendig. "Wir müssen künftig wieder länger arbeiten, damit wir weiterhin ausgezeichnete Leistungen erbringen und im weltweiten Wettbewerb bestehen können."

März 2002: Der DIHK-Präsident sagt, dass Arbeitslose prinzipiell bereit sein sollten, auch Jobs im Ausland anzunehmen. "Vor allem für Jüngere gilt: Beweglichkeit bei der Arbeitssuche darf nicht an deutschen Grenzen halt machen." Arbeitsämter sollten gezielt Jobangebote aus dem EU-Ausland vermitteln.

September 2002: In der Zeitung "Die Welt" plädiert Braun dafür, in Betrieben mit bis zu 50 Mitarbeitern den Kündigungsschutz bei Neueinstellungen aufzuheben. Damit könnten zusätzliche Anreize geschaffen werden, neue Mitarbeiter zu beschäftigen.

Januar 2003: Arbeit umsonst - der DIHK-Präsident fordert, dass Beschäftigte fünf Jahre lang 500 Stunden unbezahlt arbeiten. "Wir brauchen längere und gleichzeitig flexiblere Wochenarbeitszeiten", fügt Braun im Gespräch mit der Zeitung "Die Welt" hinzu.

April 2003: Braun spricht sich dafür aus, die Lehrlingsgehälter deutlich zu kürzen. "In wirtschaftlich schwierigen Zeiten könnte man sicherlich viele Unternehmen bewegen, zusätzliche Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, wenn man ihnen erlaubt, Abschläge von zehn oder zwanzig Prozent vorzunehmen", sagt Braun gegenüber der Hannoverschen "Neuen Presse".

Juni 2003: Umsonst arbeiten zum Zweiten - Braun wiederholt die alte Forderung. Der DIHK-Präsident erklärt gegenüber "Der Welt" noch einmal, die Arbeitnehmer sollten in den nächsten fünf Jahren 500 Stunden unbezahlte Arbeit leisten. Mehr Arbeit bei gleichem Gehalt bringe über mehr Wettbewerbsfähigkeit zusätzliche Jobs.

(Jan Hildebrand)

Quelle: ntv.de