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Dienstag, 19. Februar 2002

"Neue Kraft" im Osten: Weg frei für Vattenfall Europe

Nach langem Hin und Her heißt es jetzt Bahn frei für Vattenfall Europe. Die Bundesregierung gab am Dienstag wie erwartet ihr OK zum drittgrößten deutschen Energieversorger. Der neue Stromkonzern, der lange unter dem Arbeitstitel "Neue Kraft " lief, setzt sich aus der Berliner Bewag, den Hamburger Elektricitäts-Werken (HEW) und den ostdeutschen Energieversorgern Veag und Laubag zusammen - allesamt schon vorher Töchter des schwedischen Vattenfall-Konzerns. Der frisch gegründete Großkonzern Vattenfall Europe will nun RWE, E.ON und Energie Baden-Württemberg (EnBW) Konkurrenz machen.

An den Zusammenschluss hat die Bundesregierung jedoch einige Bedingungen geknüpft. So verpflichtet sich die künftige Vattenfall Europe, bis 2005 über die bundesweite Basiszahl hinaus 500 Ausbildungsplätze zu schaffen. Außerdem garantiert das Unternehmen, bis Ende 2011 jährlich mindestens 50 Terawattstunden Braunkohlestrom zu produzieren.

Zuvor hatten sich HEW, Veag und Laubag mit der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) geeinigt. Die Privatisierung von Veag und Laubag war von der Treuhandanstalt geregelt worden. Daher musste ihr Nachfolger, die BvS, den Eigentümerwechsel billigen. Die schwedische Vattenfall zahlt für die Altansprüche der Bundesregierung an den beiden Braunkohleunternehmen 412 Mio. Euro. Ursprünglich hatte die BvS 600 Mio. Euro gefordert, um die ursprünglich bis 2038 laufenden Verbindlichkeiten abzugleichen. Branchenkenner kritisieren, dass die Regierung dem Unternehmen mit dem Preisnachlass ein Geschenk mache. Den jetzigen Betrag bezahlt Vattenfall aus dem Vermögen der Laubag.

Der lange Weg

Möglich wurden die Pläne für die Gründung eines neuen Stromriesen durch die Fusion von RWE und VWE sowie die Vereinigung von VIAG und VEBA zu E.ON vor zwei Jahren. Die Kartellbehörden hatten damals zur Auflage gemacht, dass sich die neuen Stromriesen insbesondere in Ostdeutschland von Beteiligungen wie Veag und Bewag trennen.

Schon 1999 hatte sich Vattenfall mit 25 Prozent bei HEW eingekauft - dieser Anteil stieg danach schrittweise auf die heutige Mehrheit. 2000 übernahmen die HEW ihrerseits die beiden ostdeutschen Braunkohleunternehmen Laubag und Veag. Nächster Übernahmekandidat auf der Liste war die Bewag. Doch bei den Berlinern war bereits ein ehrgeiziger Großaktionär eingestiegen - der amerikanische Energieversorger Mirant. Um in Richtung "Neue Kraft" voranzukommen, einigten sich Vattenfall und Mirant im April 2001 darauf, ihre Anteilsbesitze unter dem Dach einer Holding zusammenführen.

Dieses Bündnis hielt nicht lange: Im September 2001 kam es zum Bruch, weil die Skandinavier gegen den Willen der Amerikaner den Banker Klaus Rauscher als Chef des geplanten nordostdeutschen Energieversorgers benannten.

Zeitweilig überlegte Vattenfall, dann den Stromriesen ohne die Bewag aufzubauen. Doch im Dezember gab Mirant mit dem Verkauf seiner 44,8-prozentige Beteiligung an der Bewag den Weg frei für Vattenfall. Grund: Das Angebot war so hoch, dass die Amerikaner es nicht ablehnen konnten. Nun hielt Vattenfall rund 90 Prozent an der Bewag.Die Übernahme wurde am 5. Februar von der Europäischen Kommission genehmigt.

Quelle: n-tv.de