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Mediengipfel in München Werbefrei auf ARD und ZDF?

Die Diskussion um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat den Auftakt der ersten Münchner Medientage bestimmt. Der Ruf nach Werbefreiheit bei ARD und ZDF wird dabei immer lauter.

So sprachen sich Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und der Präsident der bayerischen Landeszentrale für neue Medien, Wolf-Dieter Ring, bei der Eröffnung der Messe dafür aus, die Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu reduzieren.

Duales System in Gefahr

Angesichts der dramatischen Einbrüche beim Werbeaufkommen kann nach Ansicht von Stoiber das ganze Duale System in Gefahr geraten. Im ersten Halbjahr 2002 schrumpfte der deutsche TV-Werbemarkt erneut um 7,2 Prozent. Bei privaten Sendern, so Stoiber weiter, könne das an die Existenz gehen. Jürgen Doetz, Präsident des privaten Rundfunkverbandes VPRT forderte sogar ein völliges Werbeverbot für die öffentlich-rechtlichen Sender.

ARD und ZDF wiesen die Forderungen erwartungsgemäß zurück. Die Mischfinanzierung habe sich bewährt und müsse bewahrt bleiben, sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen. ZDF-Intendant Markus Schächter schätzt, dass der Finanzbedarf des Zweiten eher steigen als sinken wird. Denn die Mainzer träumen nach wie vor von einem weiteren Sender.

Zunächst einmal sollen die Radiosendern in den sauren Apfel beißen und werbefrei werden. Um den Einnahmenausfall auszugleichen, müssten die Rundfunkgebühren nach Angaben von Wolf-Dieter Ring nur um 25 Cent erhöht werden. Den Privatsendern würde damit deutlich Luft verschafft.

Krise der Printmedien nur temporär

Auch die Printmedien stecken wegen der Flaute bei den Werbeeinnahmen in einer Krise. Diese ist jedoch nach Einschätzung der Verlage ein vorübergehendes Problem. "Die Zeitungen waren in den vergangenen Jahren in ihrer Anzeigenentwicklung immer ein Spiegelbild der konjunkturellen Verhältnisse", sagte Hans Gasser, Geschäftsführer bei der Süddeutschen Zeitung. Auch Gassers Kollege von der Brigitte, Volker Breid, sprach von einer "temporären, konjunkturbedingten Krise". Allerdings müssten sich die Verlage auf den laufenden Strukturwandel einstellen.

Die Suche nach Auswegen aus der Krise der Medienbranche ist eines der wichtigsten Themen der Münchner Medientage. Auf dem größten deutschen Branchentreff werden bis Freitag mehr als 4.000 Medienexperten und Journalisten erwartet.

Quelle: ntv.de