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Vielseitiger Jazz-Pionier Werner Sellhorn tot

Er war einer der Pioniere des Jazz in der DDR und verhalf unter anderem dem Schauspieler Manfred Krug als Sänger zum Durchbruch: Werner "Josh" Sellhorn gehörte seit den sechziger Jahren zu den bekanntesten Konzertveranstaltern in Ostdeutschland. Am Sonntag ist der Musikwissenschaftler im Alter von 79 Jahren in Berlin gestorben, wie seine Plattenfirma Buschfunk mitteilte.

In Sellhorns Veranstaltungsreihe "Jazz Lyrik Prosa" traten unter anderem auch Wolf Biermann, Eberhard Esche und Annekathrin Bürger auf. Sehr früh hatte sich Sellhorn gegen die SED-Parteilinie gestellt, die Jazz vor allem als Ausdruck der amerikanischen Kultur ablehnte. Sellhorn, für den Jazz Musik der Unterdrückten war, beteiligte sich an der Gründung zahlreicher Jazzclubs.

Wegen mangelnder Parteidisziplin wurde er 1958 aus der SED ausgeschlossen. Später arbeitete er als Dozent sowie als Lektor beim Eulenspiegel Verlag. 1963 gründete Sellhorn im Auftrag des Verlags die Reihen "Jazz Lyrik" und "Jazz Lyrik Prosa", die in vielen DDR- Städten gastierten. Zu den Solisten zählten die Sängerin Ruth Hohmann und die Schauspielerin Angelika Domröse.

Der in Hamburg geborene Sellhorn war auch Manager und Ansager von Jazzgruppen und hielt Vorträge in der ganzen DDR. Mit seiner Unterschrift protestierte er gegen die Ausbürgerung Biermanns aus der DDR 1976. Bis zuletzt gab er CDs heraus und veranstaltete Jazzkonzerte mit Musikern wie Ulrich Gumpert, Günter Sommer und Ernst-Ludwig Petrowsky. Seinen letzten Auftritt als Moderator hatte Sellhorn im Februar 2009 in der Komischen Oper in Berlin

Quelle: n-tv.de, dpa

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