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Shareholder Value ? Wie DaimlerChrysler Vertrauen zurückgewinnen will

Die Stunde der Wahrheit wird für DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp bereits auf der Aufsichtsratssitzung am Freitag geschlagen haben. An die Öffentlichkeit wird der "knallharte Sanierer" aber erst am Montag treten. Auf der Bilanzpressekonferenz (ab 10.00 Uhr im Live-Stream bei n-tv.de) muss Schrempp seinen Aktionären erklären, wie er das Ruder im Konzern herumzureißen gedenkt.

Chrysler-Präsident und Schrempp-Kronprinz Dieter Zetsche hatte bereits Ende Januar umfangreiche Rationalisierungsmaßnahmen angekündigt. So sollen unter anderem sechs Chrysler-Fabriken geschlossen und insgesamt 26.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Branchenkenner halten diese Zahl noch für niedrig angesetzt.

“Die momentanen Risiken sind sehr hoch, aber letztlich wird die Sanierung Erfolg haben”, sagte Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler im Gespräch mit n-tv.de . Für das zweite Quartal des nächsten Jahres rechnet Pieper wieder mit schwarzen Zahlen bei Chrysler. Seinen Optimismus begründet er mit ähnlichen Sanierungsfällen in den vergangenen Jahren - mit positivem Ergebnis. Seiner Ansicht nach steckt in der DaimlerChrysler-Aktie noch viel Potential.

Skepsis bei der Deutschen Bank

Nicht alle teilen die Zuversicht Piepers. Erst vor kurzem hatte die Deutsche Bank (mit rund zwölf Prozent größter Anteilseigner DaimlerChryslers) dem Autobauer ihre Beratungsdienste nahegelegt. Ob das Motiv die Stärkung der eigenen Investmentabteilung oder die Sorge um den Trditionskonzern war, ist dabei unerheblich. Fällt der Kurs der DC-Aktie ins Bodenlose und wird die “Deutsche” weiterhin nicht ins Boot geholt, könnten sich die Frankfurter den Verkauf ihrer Beteiligung überlegen. Dank der Initiative von Finanzminister Hans Eichel Ende 1999 könnte sich das Institut nämlich steuerfrei von seinem Engagement bei DaimlerChrysler trennen. Ein solch unsentimentaler Schritt wäre DB-Vorstandschef Rolf Breuer durchaus zuzutrauen. Solange der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank (Hilmar Kopper) aber genauso heißt wie der Chef des Kontrollgremiums bei DaimlerChrysler, ist dies nicht zu befürchten, da das Verhältnis zwischen Kopper und Schrempp als vertraut gilt. Aber eben nur so lange.

Ob diese Konstellation Bestand haben wird, ist angesichts der Wertentwicklung des Stuttgarter Unternehmens fraglich. Der Gewinn von Chrysler sank von 5,1 Mrd. Euro in 1999 auf 512 Mio. Euro im vergangenen Jahr. Für die Restrukturierung bei Chrysler will Schrempp zwischen zweieinhalb und drei Mrd. Euro aufwenden.

Das zweite Sorgenkind neben Chrysler heißt Mitsubishi

Kaum hoffnungsvoller stellt sich die Situation beim japanischen Autobauer Mitsubishi dar, an dem DaimlerChrysler eine Beteiligung von 34 Prozent hält. Zunächst sollte die Beteiligung bei den Japanern höher ausfallen. Gemäß den Bilanzierungsrichtlinien US-GAAP (Generally Accepted Accounting Principles) hätte man dann jedoch den gesamten Schuldenberg Mitsubishis in der eigenen Bilanz konsolidieren müssen. Mit umgerechnet rund 15 Mrd. Euro ist dieser nicht unbeträchtlich. Der operative Verlust des am 31. März endenden Geschäftsjahres wird umgerechnet voraussichtlich über eine Mrd. Euro betragen. In der Bilanz von DaimlerChrysler werden sich davon etwa 150 Mio. Euro niederschlagen.

Auch in Japan sind Massenentlassungen das einzige Rezept Schrempps

Das Sanierungskonzept-Fernost, das Schrempp ebenfalls am Montag verkünden will, sieht die Kündigung von fast 8.000 Mitarbeitern, mehr als zwölf Prozent der weltweit rund 65.500 Beschäftigten, vor. Hier sollen zudem zwei Werke geschlossen werden. In diesem Zuge strukturiert Schrempp auch die höchste Führungsebene um: Beim so genannten Executive Automotive Comittee unter seinem Vorsitz sollen künftig alle Entscheidungen zusammenlaufen, die vorher auf verschiedene Gremien verteilt waren. Als Erfolg möchte Schrempp außerdem für sich verbuchen, dass er die Kuwaitis zum Kauf der Anteile von DC-Ex-Großaktionär Kurt Kerkorian überreden konnte.

Was sich Schrempps Zugriff allerdings entzieht, ist die zurückgehende Automobilkonjunktur. So können auf dem US-Markt jüngsten Schätzungen zufolge im laufenden Jahr nur noch zwei Millionen weniger Fahrzeuge als im Jahr 2000 abgesetzt werden, in dem es noch rund 15,5 Millionen Wagen waren. In Japan entwickelt sich der Automarkt ebenfalls schwach. In Europa setzt Mitsubishi zudem der hohe Wechselkurs zu.

Quelle: ntv.de