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ProSiebenSat.1-Chronik Wieder in neuen Händen

Deutschlands größter TV-Konzern, die Münchener ProSiebenSat.1-Gruppe, bekommt wieder einen neuen Besitzer. Fast genau zwei Jahre nachdem der US-Investor Haim Saban die Sendergruppe nach einem eineinhalbjährigen Tauziehen übernommen hat, greift nun der "Bild"-Verlag Axel Springer nach den Sendern ProSieben, Sat.1, N24 und Kabel 1. Mit der geplanten Verschmelzung entstünde Deutschlands zweitgrößter Medienkonzern nach Bertelsmann.

Es folgt eine Chronik des Kampfes um die Kontrolle von ProSiebenSat.1, der nach der Insolvenz des einstigen Mutterkonzerns, der Kirch-Gruppe, entbrannt war.

2002

08. April: KirchMedia, die Kerngesellschaft der Kirch-Gruppe und Muttergesellschaft von ProSiebenSat.1, meldet Insolvenz an.

01. August: Sieben Interessenten haben Angebote für KirchMedia und ihre Tochter ProSiebenSat.1 vorgelegt - darunter eine Gruppe der Verlage Bauer und Axel Springer zusammen mit der Bank HVB, der US-Investor Saban und der französische Sender TF1.

30. Oktober: KirchMedia führt exklusive Gespräche mit dem Bauer/HVB-Konsortium, an dem Springer nicht mehr beteiligt ist.

20. Dezember: KirchMedia einigt sich mit der Bietergruppe um Bauer im Grundsatz auf eine Übernahme von ProSiebenSat.1 und der Filmrechtegesellschaft.

2003

21. Januar: Haim Saban tritt mit einem überarbeiteten Angebot an die KirchMedia-Geschäftsführung heran.

12. März: Bauer zieht sich aus dem Bieterwettstreit zurück.

16. März: KirchMedia und Saban vereinbaren Übernahme von ProSiebenSat.1, später auch der Filmrechtebibliothek.

4. Juni: Die Verhandlungen mit Saban über ProSiebenSat.1 und die Filmrechtebibliothek scheitern doch noch. KirchMedia will die Geschäfte zunächst selbst weiterführen.

3. August: Saban legt mit fünf Finanzinvestoren eine neues Angebot für ProSiebenSat.1 ohne die Filmbilbliothek vor.

5. August: Der Gläubigerausschuss gibt Saban den Zuschlag, obwohl die Beteiligungsfirma Apax Partners überraschend ein höheres Angebot vorlegt.

8. August: Vertreter der Saban Group und KirchMedia unterschreiben die Kaufverträge.

2004

1. Mai: Mit dem Belgier Guillaume de Posch übernimmt ein Vertrauter Sabans den Chefsessel bei ProSiebenSat.1 von Urs Rohner.

2005

29. Januar: In Medienberichten heißt es, der Axel Springer Verlag wolle ProSiebenSat.1 übernehmen und führe dazu Gespräche mit Saban. Der Medienunternehmer lässt dementieren, dass er verkaufen will.

9. März: Springer-Chef Mathias Döpfner macht deutlich, dass er die Beteiligung an ProSiebenSat.1 entweder zu attraktiven Konditionen verkaufen oder sie zu einer strategischen Größe ausbauen will.

19. April: Aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen heißt es, Springer bereite die Übernahme der Kontrolle bei ProSiebenSat.1 vor und erwäge, einigen Eignern der Investorengruppe um Saban Anteile abzukaufen.

20. April: Döpfner bekräftigt auf der Hauptversammlung, dass er seine Beteiligung an ProSiebenSat.1 mittelfristig aufstocken oder verkaufen wolle. Aus mit der Situation vertrauten Kreisen heißt es, die Mehrheitseigner des TV-Konzerns hätten bei den Gläubigern der ehemaligen Kirch-Gruppe ein Aufweichen der Haltebedingungen für ihre Beteiligung erreicht.

4. Juli: Die Gespräche geraten ins Stocken. Aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen heißt es, Anteilseigner der Sendergruppe verhandelten weiter um den Preis und diskutierten, ob sie überhaupt verkaufen sollten.

4. August: Dem Vorgang nahe stehenden Kreisen zufolge steht Springer kurz vor einer Einigung zur Übernahme von ProSiebenSat.1. Details werden bekannt.

5. August: Springer kündigt die Übernahme von ProSiebenSat.1 und die komplette Verschmelzung des TV-Konzerns auf die Verlagsgruppe an.

Quelle: ntv.de